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How to be alone, Pt.2

Liebste Leserschaft,

meine Abstinenz hier im Blog hat einen ebenso einfachen wie deprimierenden Grund: ich fühle mich gerade weder in der Lage noch in der Position dazu, hier Sexpertinnenweisheiten rauszuhauen. Denn auch, wenn das hier kein Blog ist, in dem ich mein Frühstück poste, und darüber, wie mein Nagellack zur Kaffeetasse passt, steckt doch immer und überall ein Stück von mir mit drin. Wer mich kennt, und hier mitliest, erkennt zwischen den Zeilen meine Stimmung, egal wie lange wir nicht gesprochen haben. Geht es mir gut? Bin ich noch angeschickert von letzter Nacht, fröhlich, mitgerissen, inspiriert? Hat Trottel 328 nicht zurückgerufen, obwohl er beim Kaffee noch Liebes(ge)schwüre gesäuselt hat, kommen daher die vielen Kraftausdrücke, für die´s von der Chefetage die gelbe Karte gibt? Springt mein Herz, oder hatte ich einen miesen Tag?
Selbst wenn es nur ein „Hier, ein lustiges Video“-Entry ist: es ist immer ein Stück von mir selbst drin in diesem Blog – mal weniger, mal wieder sehr viel mehr. Das kann man mutig oder problematisch finden – ich jedenfalls habe die Illusion aufgegeben, dass man über Anziehung schreiben kann, über Sex, über Liebe, über Beziehungen, und die eigene Persönlichkeit und eigene Erfahrungen dabei komplett außen vor zu lassen.

Ich sehe es an dem, was ich zurückbekomme, wenn ich viel von mir gebe – an Kommentaren, lachenden Freunden, die sagen, „genau sooo isses!“ oder „da steht nicht nur dein Name drunter, du bist in jeder Zeile.“ Auch wenn es Selbstentblößung ist, die einen angreifbar macht, ist es vermutlich der einzig mögliche Weg, sich diesem Thema zu nähern.

Und deswegen sag ichs jetzt halt einfach: Ich hab die schlimmste Trennung meines Lebens hinter mir. But then again – ist nicht jede die schlimmste? Nein, die hier haut besonders rein, und lässt mich ratlos zurück. Ich stelle fest, dass es keine tiefen Gräben waren, die uns getrennt haben, keine Frage von Venus oder Mars, oder anderen Planeten, die hätten sich ja zumindest mal in der Erdumlaufbahn freundlich zugenickt. Es waren verschiedene Sonnensysteme.

Ich, die Frontreporterin der großen und niederen Gefühle, die sich jederzeit für das Echte, das Wahre, das Einzige in die Bresche werfen würde, die Flüge bucht um nochmal nen Kaffee zu trinken und dabei in Stundenhotels landet, die für das Glück immer alles tun würde, was irgendwie menschenmöglich ist, kann Ihnen grad keinen von Liebe, Toleranz, Akzeptanz und aufeinander zugehen erzählen – höchstens davon, wie es ist, irgendwann an den Punkt zu kommen, an dem es Zeit wird, seine verbleibenden fünf Cent Selbstachtung zusammenzukratzen und schreiend davonzurennen. Die drei zerrupften Schäfchen, die noch auf der schon eher kahlen Persönlichkeitswiese grasen, ins Trockene zu bringen.
Ich kann darüber schreiben, wie es ist, im Supermarkt zu weinen, weil die Flasche Wein noch im Sonderangebot ist, die man nicht mehr zusammen trinken wird, und darüber, wie es ist, konsequent zwischen Fassungslosigkeit, Erleichterung und bodenloser Enttäuschung zu schwanken. Vielleicht hat das dann für einige hier nicht mehr Gehalt als eine Viertelstunde AstroTV. Aber wahrscheinlich ist es ehrlicher, als vorzutäuschen, von etwas Ahnung zu haben, was man noch nie weniger verstanden hat.

How to be alone, Pt.1

5 Kommentare

  1. Wow.
    So viel Ehrlichkeit beindruckt mich.
    Schon indem du das schreibst, bist du sehr tapfer. Irgendwann lässt der Schmerz langsam nach.

  2. Ich freue mich das nicht nur ich dummer Kerl meinen Kummer auch mal auf diese Weise publik mache und Du als Frau auch ehrliche Gefühle hier zu vermittelst-ein Ansporn für mich Dich im Auge zu behalten und mein Interesse für das Feigenblatt noch ernster zu nehmen-alles Liebe von mir!-herzliche Grüße Dirk

  3. Genau diese Art und Weise mit dem Thema Beziehung, Partnerschaft und Sex umzugehen machen das Feigenblatt und seine Mann/Frauschaft so einzigartig und sympatisch.
    Ansonsten halte ich es in diesen „Blues-Zeiten“ mit Ton-Stein-Scherben: „Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten..“
    Alles liebe aus Köln

  4. Pingback: Mund abwischen, weiter machen | Feigenblatt Magazin