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Wochenschau XVIII: Gebraucht-Jungfrauen, Tabus en masse

Silke Maschinger hat über das neue Feigenblatt ein paar sehr nette Worte gefunden (und ein paar davon vorsichtshalber nicht ausgeschrieben … jugendfreie Naturbeschreibungen können sehr tückisch sein).

Es könnte ja alles noch schlimmer kommen. Es gibt Länder, da fliegen Mädchen von der Schule, wenn sie die „Vagina-Monologe“ vorlesen, Länder, wo eine vergewaltigte Frau vor Gericht das Wort „Vergewaltigung“ nicht aussprechen darf. Nein, das ist nicht im Iran oder in Saudi-Arabien passiert.

A propos verboten: Von der Inzest-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts dürfte ja jeder schon gehört haben. Offenbar bin ich nicht der Einzige, bei dem die Berufung auf überlieferte Tabus ein flaues Gefühl hinterlässt; Telepolis sieht die sexuelle Selbstbestimmung gefährdet.

Von einem Tabu zum nächsten: Gewisse Spielarten von Tierliebe wird Benjamin Blümchensex abstoßend und schockierend finden, aber warum Sodomie gleich eine Straftat ist (unabhängig von Tierquälerei, versteht sich), hat mir nie so recht eingeleuchtet. Nun ist sie auch in Holland verboten. Wie es ein Abgeordneter ausdrückte, wollten die Niederlande kein Magnet mehr für Perversionen sein.

Harald Martenstein hat dank Emnid herausgefunden, dass Sadomasochismus seine politische Heimat in der FDP hat und dass die Union Angst vor Sex hat. Hoffentlich ist wenigstens Kuscheln ok.

Das Erosblog, immer gut für obskure Fundstücke, hat zwei liebevoll gefertigte Spielzeugsets aus einer Zeit aufgetan, in der es noch keine krebserregenden Weichmacher und brummenden Spielzeugentchen gab.

Ein interessanter Nachtrag zum Thema „feministischer Porno“ aus unserem aktuellen Heft: Beim Berliner Pornofilmfestival im November gab es einen kleinen Disput, ob Blowjobs oder Ejakulationen auf den Körper der Frau politisch korrekt seien oder nicht. Protagonistinnen des Streits waren die Filmemacherinnen Erika Lust und Petra Joy; Audacia Ray, Bloggerin und selbst Pornofilmerin, fasst die Diskussion zusammen und bezieht Stellung. Lust vs. Joy, lustig.

Dieser Artikel hat eine komische Wirkung auf mich gehabt. Erst habe ich mich vor Lachen nicht mehr eingekriegt, dann habe ich die Klauen des Wahnsinns nach mir greifen gespürt; geendet hat es mit einer Mischung aus Unverständnis und Belustigung.
Wie Sie vermutlich wissen, laufen in den USA seit Jahren Kampagnen, um Jungfräulichkeit bis zur Ehe zu erhalten. Das scheint nicht so gut zu klappen. Das Hymen ist den Weg alles Irdischen gegangen, vielleicht sind schon ein, zwei Kinderchen auf der Welt? Kein Problem – „Revirginization“ heißt der neue Trend.
Während sich die einen mit Gebet und Meditation in den Stand der Unschuld zurückversetzen, wollen die anderen runderneuerte virgines intactae sein und lassen sich für ein, zwei Monatsgehälter ein Retortenhäutchen einsetzen. Am Ende des Artikels kann man abstimmen, ob eine Second-Hand-Jungfrau so gut ist wie Neuware – freilich mit deutlichen Ergebnissen.
Ganz unkomisch ist allerdings, dass sich manche Frauen aus rückständigen Kulturen (man könnte das auch wertfrei formulieren, aber mir ist nicht danach) diesen Quatsch nur antun, um ihr Leben zu schützen.

Autor: Herbert Braun

Mitherausgeber des Feigenblatt Magazin und sowas wie der Chefredakteur.

2 Kommentare

  1. Puh, also der Artikel auf MSN war jetzt schon etwas verstörend, find ich…Vielleicht sollten unsere religiösen Fanatiker mal anfangen den Leuten mitzuteilen, dass es in einer Ehe ggf wichtigeres gibt als ein intaktes Jungfernhäutchen.
    Ob es dann bald eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen denen, die sich ein zweites Häutchen leisten können und denen, die es nicht können gibt?
    Oh man…

  2. Pingback: Feigenblog » Wochenschau: Willige Melonen, frigide Parkbänke