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Weltbild: Wir hassen die Bücher, die wir verkaufen

Madonna (c) redfloor/stock.xchng (Ausschnitt)Bitte haben Sie Mitleid mit den Moraltheologen des Buchhandelskonzerns Weltbild/Hugendubel: Sie leben in schwierigen Zeiten.
Da gibt es dieses Buch, über das alle reden, das aber „dem Welt- und Menschenbild [widerspricht], von dem wir uns als Buchhändler leiten lassen“. Deshalb möchte das Unternehmen, das der katholischen Kirche gehört, den Soft-SM-Roman „Shades of Grey“ lieber nicht verkaufen.

Obwohl, halt, warten Sie. Wäre es nicht unethisch, dem Volk seine Wünsche zu verweigern? Womöglich würden die verirrten Schäfchen ihre Bettlektüre woanders kaufen. Und so hat man wenigstens die Gelegenheit, den eigenen Kunden noch eins mitzugeben. Stellen Sie sich die folgende Passage bitte mit der Stimme vor, die beim Schulmädchen-Report die Off-Kommentare („die zügellose Jugend von heute …“) einsprach:

„Wir sehen das Buch als sehr problematisch an. Und wir erfahren, dass diese Einschätzung von vielen Leserinnen und Lesern (…) geteilt wird (…). Einige Zitate mögen belegen, dass eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Buch unverzichtbar ist.“

Bestellen Sie jetzt hier (und schämen Sie sich, Sie Perverser).

Autor: Herbert Braun

Mitherausgeber des Feigenblatt Magazin und sowas wie der Chefredakteur.

4 Kommentare

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  2. Mila van Rosen 9. August 2012 um 22:46

    Schön wäre ein Link zum Originaltext gewesen…

    Tatsächlich würde ich nicht erwarten in einem katholischen Buchladen dieses Buch zu finden, so klein oder groß der Laden auch sein mag. Genauso wie ich im Erotikshop nicht nach dem YouCat (Katechismus) suchen würde.
    Leider hat es der Weltbild Verlag versäumt auch in der Vergangenheit eine klare Linie zu fahren und sich konsequent zu positionieren, denn auch hier steht wohl die Gier nach Gewinn sicher über allem anderen. Von daher ist der Versuch auf einmal halbherzig eine katholische Meinung zu vertreten mehr als peinlich und kontraproduktiv. Sogesehen müsste wohl die Hälfte des Weltbild Sortiments gestrichen werden. Es wäre besser für Weltbild und die Katholiken, wenn Weltbild seinen katholischen Anspruch fallen lassen würde. Diese Bigotterie seitens des Verlags ist für mich als Katholikin unerträglich.
    PS: Ich habe Shades of Grey gelesen – alle drei Teile und brauche keine Absolution 😉

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