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Was einem als Erotikherausgeberin so passiert

Anfang der Woche bekam ich eine Benachrichtigung vom Zollamt, dass ein Päckchen für mich zur Abholung bereitliege. „Das wird das Threesomebook sein, dass ich für einen Abonnenten bestellt habe“, dachte ich mir. Und so machte ich mich heute auf den Weg zum Zollamt, das abgelegen in einem Industriegebiet kurz vor Langenhagen residiert. Ausgerüstet mit der Rechnung in zweifacher (!) Ausführung, und dem Kontoauszug, der beweist, dass ich die Ware auch bezahlt habe.

Nach 20 Minuten Warten wurde ich bereits in die Amtsstube gebeten, wo ich die Benachrichtigungskarte vorlegte und mich auf das Buch freute. „Machen Sie mal auf“, sagte der Beamte zu mir, händigte mir das in Schichten von Luftpolsterfolie umwickelte Päckchen aus und deutete auf Schere und Cutter, die auf dem Tresen bereitlagen. Erst, als ich den Schriftzug von bswish im Inneren erkennen konnte, fiel bei mir der Groschen. „Oh, das ist gar nicht das Paket, auf das ich gewartet habe“, plauderte ich, „dann brauchen wir diese Rechnung hier ja gar nicht“.
„Und was ist das jetzt?“, fragte der Ordnungshüter und linste interessiert auf den Inhalt des Pakets.

Ich finde es ja sehr nett, dass bswish mir ein Muster ihres neuen Auflegevibrators zu Weihnachten schenken, aber wie erkläre ich das jetzt meinem Gegenüber? Und zwar so, dass die Kunden an den Nachbarschaltern nicht alles mitkriegen? Ich grübelte und merkte, wie mein Gesicht die Farbe wechselte. „Das ist ein Massagegerät“, murmelte ich.
„Und wozu brauchen Sie das?“ hakte der Sachbearbeiter nach. „Haben Sie denn überhaupt eine Firma?“
„Ich gebe eine Zeitschrift heraus,“ entgegnete ich empört, „wir berichten über Produkte“.
„Aber ich verstehe es immer noch nicht“ bohrte er weiter. „Ein Warenmuster dient doch immer einer Geschäftsanbahnung. Wozu soll denn das hier gut sein?“
Langsam wurde mir das zu doof. „Hören Sie, das ist ein Erotikmagazin, für das ich schreibe.“ outete ich mich. „Wir haben die Firmeninhaberin auf einer Messe kennengelernt, und nun schickt Sie mir ihr neuestes Produkt, damit ich darüber berichte. Ist das so ungewöhnlich?“
Der Beamte überlegte. Schaute kurz zu seinem Kollegen rüber. „Na gut, dann packen Sie das hier ein“, deutete er schließlich auf das aufgerissene Päckchen und den Papierkram vor seinem Bauch.

Manchmal wünsche ich mir, einen ganz normalen Beruf zu haben. Bäckereifachverkäuferin vielleicht oder Sachbearbeiterin bei einer Versicherung. Aber nach dieser Geschichte haben wir wenigstens beide mal wieder etwas zu erzählen.

2 Kommentare

  1. Hahaha…da heisst es nur Parole: Durchhalten. Immer wieder lustig, wenn ich für unser Portal eine Lieferung von dänischen Western beim Zoll abholen darf. Naja, letztes mal durfte ich wenigstens in ein Hinterzimmer um die Ware zu präsentieren um die anderen Wartenden zu schonen…=)

  2. hihi … selbst wenn es um unverfänglichere dinge geht, ist der besuch beim zollamt ein leuchtendes beispiel deutscher bürokratie. so musste ich mir sagen lassen, dass eine us-amerikanische firma einem deutschen autoren nichts kostenlos zur verfügung stellt … erst recht keine software. ich habe es nie verstanden wie es sonst gehen soll, wenn man über etwas schreibt. 🙁 letztendlich konnte ich es so mitnehmen … in einem anderen fall musste ich etwas bezahlen … schnief 🙂