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Ruth Smythers: Sextipps für Eheleute

Pastor L.D. Smythers muss furchtbar gelitten haben, wenn seine Frau auch nur die Hälfte von ihren eigenen Ratschlägen befolgt hat. In ihrem kleinen Ratgeber von 1894, der im Original natürlich nicht das böse S-Wort im Titel trägt (er heißt eigentlich „Instruction and Advice for the Young Bride“), versammelt Ruth Smythers ein komplettes Programm, um dem potenziell lüsternen Ehegatten den Beischlaf zur Hölle zu machen und ihm diesen möglichst abzugewöhnen. Migräne vortäuschen, vor dem Schlafengehen nörgeln, mit banalen Fragen von leidenschaftlichen Avancen ablenken – hier findet die trostsuchende Frau Rat, wie sie den Gräueln des ehelichen Verkehrs entgeht.
Sein Haupteinsatzgebiet wird das Buch dank seines sarkastischen Titels als Geschenk haben. Es eignet sich aber eher für Lesefaule, denn mit dem mühsam und dank zahlreicher zeitgenössischer Illustrationen auf 70 Seiten ausgewalzten Text ist man kaum länger beschäftigt als der verzweifelte Gatte, der sich im Ehebett an seiner leidenden Frau abarbeitet. Als Beleg für die Prüderie seiner Ära ist dieser kleine Text jedenfalls eine exzellente Quelle.

Autor: Herbert Braun

Mitherausgeber des Feigenblatt Magazin und sowas wie der Chefredakteur.

1 Kommentar

  1. Hoffen wir, dass es Ruth Smythers individuelles Verständnis von Beischlaf war und es die gesellschaftliche Dimension nicht gab, und wenn dann nur nach aussen hin.
    1905 also nur ein paar Jahre später hat Freud seine Abhandlung zur Sexualtheorie verfasst, die sich herrlich ließt.

    Blogs und Magazine zitieren unheimlich gerne aus Ruth Smythers Werk

    http://www.gofeminin.de/leidenschaft/sex-ratschlage-aus-omas-zeiten-s1055589.html
    http://dip.la/2016/02/skurrilsten-sex-tipps/

    http://dip.la/2016/02/skurrilsten-sex-tipps/