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Männerfantasien

Gestern Abend waren wir beim Erotischen Salonkino, um uns „Bedways“ anzuschauen. An sich ein toller Film, und auch wenn er sicher nicht als klassischer „Erotikfilm“ gedacht ist, durchaus sexy.
Im Anschluss gab es eine Diskussionsrunde mit dem Regisseur RP Kahl. Die Frage eines männlichen Zuschauers fand ich interessant: Warum macht ein männlicher Regisseur einen Film, in dem er durch die Augen einer Frau die weibliche Sexualität erforscht? Und warum zeigt er nur die Frau bei der Masturbation, nicht den Mann?
Kahl erklärte, er habe einen Film über die weibliche Lust machen wollen, und einem nackten Mann beim Masturbieren zuzuschauen, interessiere ihn einfach nicht.

Szenenfoto aus 'Bedways'

Ich finde diese Antworten symptomatisch für den erotischen Film, wenn nicht gar das ganze Thema Sexualität, wie es in der Öffentlichkeit diskutiert wird: Es geht immer nur um die Frau, die Erforschung ihrer Fantasien, die Entdeckung ihrer Lust. Da sich sowohl Männer als auch Frauen dafür interessieren, liegt der Fokus auf ihr – über die männliche Sexualität erfahren wir nichts, der Mann bleibt der Trottel, der seine Sexualität beim heimlichen Pornoschauen auslebt und ansonsten auf die Gunst der Angebeteten wartet.
Was wäre, wenn Frauen mehr erfahren wollen über die Lust der Männer, ihre Fantasien? Vielleicht interessiert es sie ebensowenig, immer nur Bilder weiblicher Lust serviert zu bekommen? Und vielleicht würde eine Frau in ihrer Version von „Bedways“ den Mann bei der Masturbation beobachten? Was meinen Sie?

19 Kommentare

  1. Ich finde das auch eigenartig: Männer beschäftigen sich liebend gerne mit Sexualität, aber nicht mit ihrer eigenen (das steht übrigens auch in unserem Männer-Heft …). Männliche Lust richtet sich in der Regel fast ausschließlich nach außen.
    Was da auch mitspielt, ist der Gedanke, weibliche Sexualität sei interessanter, weil sie komplizierter ist. Sie wird als Problem wahrgenommen, das irgendwie gelöst werden muss (die Stichworte sind „zu sich finden“ oder „Befreiung“). Das scheinen mir übrigens auch viele Frauen so zu sehen.

  2. Nun, es spricht nichts dagegen, einen weiteren Film zu drehen, der sich ausschließlich auf die männliche Perspektive konzentriert. Ich persönlich würde dem Regisseur keinen Strick daraus drehen, dass er diese Perspektive gewählt hat – stimme aber zu, dass er damit durchaus in ein gesamtgesellschaftliches Grundschema passt, dass die Sexualität des Mannes bestenfalls gar nicht, und schlimmstenfalls negativ portraitiert. Wie Ihr ja auch in der letzten Feigenblatt-Ausgabe festgestellt habt, wird der männliche Körper in unserer Gesellschaft grundsätzlich als weniger ästhetisch und erotisch empfunden als der weibliche – im Gegensatz zu vergangenen Zeiten wie etwa der Renaissance oder der griechischen Antike.
    All dies bestärkt mich wieder einmal in dem Urteil, dass der Feminismus auch darauf abzielen sollte, die Männer aus den Gender-Konzeptionen der Vergangenheit zu befreien.

  3. Ich kann mir schon vorstellen, eine solche Szene mit einem Mann, nur wäre das wohl für einen „normalen“ Erotikfilm wohl zu heiss, oder?

  4. Die Darstellung der Lust und der Befriedigung beider Geschlechter ist in meinen Augen ein total normaler Vorgang. Meine Partnerin und ich vermissen dies in den wenigen Filmen die für Paare gedacht sind(also nicht die platten Pornos, die es heut zu leihen gibt) sehr. Es zu praktizieren, gegenseitig dabei zuzuschauen und die Fantasien auszuleben bereichert unser Liebesleben emorm.
    Ob es für einen Erotikfilm „zu heiß“ ist, mag sicherlich von der Darstellungsform abhängen. Aber auch hier gilt „Weniger ist mehr“ Kopfkino ist erotischer als plattes draufhalten mit der Kamera. Ich könnte mir schon vorstellen wie es in einem erotischen Film einpassen würde. Auch Männer genießen ihre Gefühle.

    Wir wünschten uns schon mehr solcher Darstellungen. Es erregt meine Partnerin, weitet die Fantasie und gibt sicherlich auch Anregungen.

  5. Vielleicht liegt es auch daran, dass weibliche Sexualität bzw. Masturbation irgendwie „ästhetischer“ ist als männliche? 🙂 Ich stimme aber ansonsten Herbert zu und glaube auch, dass es daran liegt, dass die weibliche Sexualität als mystischer und geheimnisvoller gilt. WIe es bei Männern funktioniert, wissen alle, Männer und Frauen. Aber Frauen sind ja doch viel individueller, vielleicht ist die weibliche Sexualität daher in Film, Literatur und Kunst einfach interessanter weil facettenreicher?

    Liebe Grüße

    Alex

  6. Ich finde es sehr erotisch Männer bei der Selbstbefriedigung zu betrachten. Es ist zum einen das Teilen eines sehr privaten Momentes und zum anderen das Erleben unverblümter Lust. Ich finde, wir Frauen sollten öfters in den Genuss der Beobachterin kommen, dann würden wir sicher auch besser wissen, welche Spielarten eine stattliche Errektion liebt und nicht so verkrampft mit seinem besten Stück umgehen.

  7. Bin ganz und gar mit Flo einig: es ist ästhetisch, an- und erregend Männer zuzusehen, wie sie sich reiben, stolz ihren Liebesstengel betrachten und zu beobachten wie die Lust sie überMannt.

    Und bei jedem sieht das anders aus und fühlt es sich beim Dabeisein anders an.
    Warum sollte dieser Akt heisser sein, als bei Frauen? Sind Darstellungen weiblicher Lust per se braver, gesellschaftlich akzeptabler? Falls ja, dann doch nur, weil unsere Bilderwelt kaum männliche Selbstliebe kennt.

  8. Ich glaube, das das Zeigen unverblümter männlicher Lust immer noch ein Stück weit einen Tabubruch darstellt. Die meisten Männer wollen immer noch keinen Mann sehen wie er schwach, unkontrolliert und nur auf seine Körperlichkeit fixiert seinem Trieb folgt. Sollte aber mehr Beifall von Frauen kommen, könnte sich das ändern.

  9. Mir ist diese Art und Weise der Betrachtung von Sexualität aufgefallen, wenn sie auch jetzt erst durch diesen Artikel deutlicher hervortritt. Ich weiß nicht, vielleicht wird die ausgelebte Sexualität der Frau als reiner bzw. ästhetischer angesehen und mit dem weiblichen Orgasmus eine gewisse Mystik in Verbindung gebracht?! Bei Männern wird der selbige Vorgang wohl als rein stumpf und mechanisch abgeschrieben, zu einfach in seiner Begreiflichkeit und Ausführung. Wahrscheinlich ist genau das das Problem, warum viele sexuelle Wünsche auf beiden Seiten unbefriedigt bleiben.

    Grüße

  10. Pingback: Die Träumer von Bernardo Bertolucci « ellen und der sex

  11. Bei der Masturbation ist es meinens Erachtens genau umgekehrt wie bei der Bisexualität. Während bei Männern das Masturbieren als normal angesehen wird und damit auch nicht explizit erwähnenswert und künsterlisch darstellbar, gilt die weibliche Selbstbefriedigung in der Öffentlichkeit immer noch als nicht so ausgeprägt. Da kann man dann eher was im Film umsetzen.
    Bei der Bisexualität ist es eher andersrum, da ist es bei Frauen als üblich angesehen und man macht kein Aufheben mehr, während es bei Männern noch denRuf des Verruchten hat.

    Mir persönlich gefallen Masturbationsszenen sowohl von Frauen als auch von Männern und man viel daraus lernen wie man seinen PartnerIn verwöhnen kann.

  12. Pingback: Schönes Pornowochenende! | Feigenblatt Magazin

  13. also … meine Freundin machen es uns zusammen selbst wenn wir im Bett sind bzw. was auch sehr anregend ist: Vor der WebCamera. Wir haben getrennte Wohnungen.

  14. Ich glaube schon, das in diesem „Thema“ noch viel drin ist. Das Extrem ist doch der Exhibitionist, der seinen Orgasmus nur mit Zuschauer erleben kann.
    Das Zuschauen kann ein Lustgewinn sein, vor allem, wenn der masturbierende seine Empfindungen mitteilt, z.B. durch Stöhnen und durch Bewegungen.
    Ich lasse mich gelegentlich erotisch massieren und meine Masseuse freut sich immer, weil ich ihr über meine Körpersprache und über sinnliche Laute mitteile, was mir besonders gefällt. In der Rückkopplung habe ich dann natürlich auch was davon.
    Es ist als Mann ja eher unüblich Gefühle zu zeigen. Mir persönlich gefällt es aber, von diesem Schema abzuweichen.
    Mache ich aber nur für mich, meine Partnerin stört es, wenn ich anfange laut zu stöhnen.

  15. SPIEGEL ONLINE wählt BEDWAYS als einzigen deutschen Film unter die Top8 des Jahres 2010 als den ultimativen BERLIN-FILM: http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,735688-5,00.html /// In die Videotheken kommt BEDWAYS ab 11. Februar 2011 und in den Verkauf am 4. März 2011. Zum Bestpreis kann man aber jetzt schon auf Amazon vorbestellen! http://www.amazon.de/gp/product/B004HHHO06?ie=UTF8&tag=wwwindiespiri-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=B004HHHO06 /// Werde auch BEDWAYS-Freund: http://www.facebook.com/bedways

  16. Nun, es gibt ja dieses Vorurteil, dass Frauen nicht so auf visuelle reize stehen, wie Männer, möglicherweise machen deshalb viele Filmer und übrigens auch Filmerinnen keine Filme von Männern für Frauen aus weiblicher Sicht. Ich weiß es nicht, aber ich denke dass es viele Frauen gibt, die gerne einem Mann dabei zusehen würden, ich jedenfalls kenne einige, die sowohl gerne Pornos schauen, als auch einem Mann real dabei zusehen möchten. Schade eigentlich, aber anders gefragt, warum machen denn so wenige Filmemacherinnen mal Filme von erregten Männern? Von erregten Männern, die es sich alleine schön machen aber auch von Paaren, die Sex haben und das ganze dann aus weiblicher Sicht?

  17. Hallo Anja, hallo liebe Leser,
    ich habe gespannt Eure Diskussion gelesen als ich BEDWAYS gegoogelt habe. Ein bisschen steht ja der „Vorwurf“ im Raum, dass der Regisseur des Filmes die männliche Masturbation nicht in BEDWAYS gezeigt hat. Ich habe den Film gestern in Zürich bei einer Ausstellungseröffnung des Regisseurs im Museum of Porn in Art gesehen. Hatte auch ein interessantes Gespräch nach dem Film dazu. Aber nun kommt, was ich eigentlich anbringen will: RP Kahl präsentierte neben seinen Arbeiten aus der Ausstellung und neben seinem Film BEDWAYS auch einen ganz neuen aktuellen Kurzfilm non ihm: Mit einer nackten Frau, die durch die nächtliche Stadt wandelt. Und dann in einem Hotelzimmer auf einen Mann stößt, der dort auf sie wartet oder vielleicht bildet sie sich es auch nur ein und ist es eine Phantasie. Jedenfalls bekommt sie Lust auf sich. Berührt sich. Dann kommt der Mann hinzu. Erst schaut er nur zu. Dann masturbiert auch er. Man kann alles sehen. Es geht sogar mehr um seine Aktion, seine Lust dann, bis er kommt. Ziemlich mutig und gut gespielt alles, auch explizit alles zu sehen. Vielleicht wiederholt der Regisseur den Film bei einem nächsten Screening? Dann könntet ihr schauen, ob sich Eure Fragen an ihn damit „erübrigt“ hätten… Frech grins… Für mich war es toll. Zwei tolle Filme: Ein langer, ein kurzer. Mit zwei echt schönen realen Masturbationsszenen in einem Film. Einmal Frau. Einmal Mann. Ich hatte einen schönen Abend… Bis bald!
    Grüße Kim

  18. Symptomatisch für Männer sind immer noch Pornofilme, Partnerin finden es weniger prickelnd . Doch warum beschäftigen sie Männer soviel mit der Sexualität. Oft haben da auch die Frauen wenig Schuld. Da oft von der weiblichen Seite selten die Initiative. Wie viele Frauen gibt es wirklich, die Spaß am Sex haben. Es ist doch mehr eine verschwindend kleine Minderheit

    Gruß Peter

  19. Ja, dann vielleicht einfach fragen..? Dann, Frau, vielleicht einfach mal selbst aktiv werden, und Pornos drehen, in der Frau ihre Liebe für und Geilheit auf Mann darstellt? Schon mal beobachtet? In so genannten „Frauenpornos“, wird gernicht selten auch nur Frau dargestellt – und Mann als Sextoy präsentiert.
    Frage: Ist es wirklich die Aufgabe von Mann, zusätzlich zur Anbetung der Frau, noch einen Ausdruck der Anbetung zu sich selbst zu finden? (Also Pornos, die er macht, um Frauen zu beweisen, dass er sich selbst liebt..? Würde das nicht ganz schnell als Narzismus und Männerego ausgelegt?)

    Wäre es nicht mal ein schönes Aufgabengebiet für Frauen?

    Statt der traurigen Cosmopolitan-Lästerei-Klischees über die Macken der Männer, ein eigenes Bild zu schaffen? Bei der Gelegeneheit fällt mir auf, dass es erstaunlich wenige Frauen gibt, die das bislang getan haben.

    Die Frage die ich da stelle ist:
    Woran liegt das?
    Woran liegt es, dass so erstaunlich wenig Porno oder Sex-Kunst von Frau kommt? (Aber erstaunlich viele Vorwürfe, dass Männer daran so viel Spaß haben können)…???

    Anja, einfach fragen. Und mit großer Wahrscheinlichkeit, werden Männer Dir die Tür einrennen, weil sie garnicht abwarten können, darüber zu reden. 😉 (Das läuft dann unter „Interesse an mir als ganzer Mensch“, und welcher Mensch hat das nicht gern, wenn sich jemand wirklich für einen interessiert…)