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Lernpornos?

Neulich hat mich Franzi für ihre Diplomarbeit „Meine Lust mach ich mir selbst. Mediale Möglichkeitsräume für eine kontroverse Auseinandersetzung mit selbstbestimmter Sexualität. Historische Blicke. Postmoderne Labore“ interviewt.

In dieser Frage ging es, glaub ich, um den didaktischen Gehalt von Pornographie – ein Thema, das mich nicht erst seit dem Filmsonderheft sehr beschäftigt.

(Klick dann groß. Eh klar.)

Was meint ihr? Kann gute Pornographie einen derartigen „Nachahmereffekt“ erzielen, dass unser sexuelles Bewusstsein sich ein Stück weit wandelt? Inwieweit?
Ist das sogar ihre Aufgabe, oder ist dieser didaktische Anspruch schon wieder sowas von unsexy, dass man ihn gleich wieder fallen lassen sollte?
Kann man zu gutem Sex erziehen? Wieviel Realismus braucht gute Pornographie?
Und wie muss ein Porno gemacht sein, der mehr als die reine Triebebene anspricht?

7 Kommentare

  1. ein sehr spannender titel für eine diplomarbeit. gibts die dann mal zum lesen, und in welchem fach wird die geschrieben?
    zur frage: guter sex ist ein prozess. die frage ist ob sich jemand, und wie sich jemand auf den prozess einlässt. dazu gibt es wirksame impulse. die frage ist ob die von außen gesteuert werden sollen???

  2. wenn ich nicht vor der abgabe an bluthochdruck sterben muss, kann man sie wohl irgendwann im hochsommer besichtigen. die arbeit ist sowas, wie interdisziplinär angelegt und wird auf der schnittstelle von populärer kultur, psychologie, sexualpädagogik und literatur/theater/medien geschrieben. sowas kann man in hildesheim studieren.

    und was die subversiven pornoformate angeht, so sind es weniger die neuen technischen oder formalen facetten, die daran spannend sind, sondern die haltung der protagonisten,der geschichten, des settings (schwer verbalisierbarer kram eben) blicke, die getauscht werden, geräusche, hände, dynamiken für die vielleicht erstmal noch die worte fehlen, die aber durchaus irgendwas in uns als betrachter auslösen. und diese irritation, dies verstörende dann als ausgangspunkt zu nehmen für ein gemeinsames sprechen darüber und vielleicht kann das dann als einladung dienen über die mediale ebene hinaus sich mit dem sprechen und schauen gegenseitig neue Lust zu machen, gegenseitig neue geschichten zu erfinden, anknüpfen an gesehenes, mit eigenem zu verknüpfen, eigene bilder produzieren und wieder weiter spinnen, aber eben alles im spielerischen sinne ohne die balken im kopf, die denken, es könnte eine wahrheit über den sex geben oder es gäbe richtiges und falsches. ein schwieriges unterfangen.mit sicherheit, wenn man so oder so ähnlich sozialisiert wurde, wie wir alle. aber eben auch eine möglichkeit. ein heftiges öffnungspotential für allerlei unaussprechlichkeiten und schräges geiles wunderbares

  3. wow!
    klingt spannend. sehr sogar. würd mich freuen in die mal reinzulesen.
    offensichtlich sprudelt da was… 🙂
    viel erfolg!

  4. „Guter Sex“ entsteht über Lernprozesse. Darin können Pornos über das Kopfkino auch gewisse tragende Rollen übernehmen oder eben auch nicht. Entscheidend ist, was in einer sich entwickelnden und selbstbestimmten Sexualität angenommen oder abgelehnt wird. Inhaltliche Angebote sind unverzichtbar, damit individuell ausgewählt werden kann, was im Entstehen von gutem Sex hilfreich scheint. Welchen Bestand das ganze hat, wird sich spätestens in der sexuellen Interaktion zeigen. Pornos sind also nur eine Möglichkeit, Ideen in die Köpfe zu transportieren. Der wirkliche Lernprozess findet aber im realen sexuellen Geschehen statt.

    Die Inhalte von „gutem Sex“ halte ich für nicht lehbar, da diese zu individuell sind. Lediglich die Voraussetzungen hierzu lassen sich vermitteln. An vorderster Stelle stehen Selbstannahme, Eigenliebe, Achtsamkeit und gelingende Kommunikation (einschließlich der nonverbalen).

    Didaktisch gute Pornos haben vor diesem Hintergrund kein besonderes Gewicht. Als Futter für das Kopfkino wären sie vermutlich zu steril, und es würden die Gedanken eh nur einige Sequenzen daraus zum Antörnen verwerten. Der didaktische Hintergrund würde nicht wirklich in Erscheinung treten. Die Stärke von Pornos ist und bleibt die Bedienung des Kopfkinos, welches von seiner Natur her grundsätzlich grenzüberschreitend ist und nicht wirklich gelebt werden muss. Normative Pornos verlören schnell an Interesse. Das Kopfkino würde schon nach kurzer Zeit nicht mehr erreicht. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, zu verstehen, dass Genuss jenseits der Grenzüberschreitung stattfindet und gute Pornos im Auge des Betrachters.

  5. wolfgang weber 11. April 2012 um 12:10

    Wer Petra Joy und ihre Arbeit kennt, für den stellen sich keine Fragen. Das ist gefilmter Sex, auf edle weise! Jeder „herkömmliche“ Porno versinkt dann in der wohlverdienten Bedeutungslosigkeit

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  7. Ich halte gut gemachte Pornos tatsächlich für hilfreich. Alleine Safer Sex kann durch sie sein „Ist doch langweilig“-Image verlieren, und wenn gezeigt wird, dass es vor allem um Hingabe und Lust geht, statt um Verrenkungen, bei denen man sich Zerrungen holt und Stellungswechsel, die so häufig sind, dass man zwischendurch die Lust verliert, kann das nur positiv sein.

    Auf der anderen Seite ist es das „Geheimnis“ von Filmen (und eben auch Pornos), dass sie die Phantasie anregen – dazu müssen sie „übertrieben“ sein. Dennoch würde ich mich über mehr qualitativ hochwertige „Lernpornos“ definitiv freuen.