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Ich sehe den Mann deiner Träume – nicht wirklich

Ab heute läuft der neue Woody Allen Film „Ich sehe den Mann deiner Träume“ im Kino – und der ist, ehrlich gesagt, gar nicht mal so gut.

2010 besteht Woody Allens Idee von einem lustigen Witz über Sex darin, eine (ohnehin grell überzeichnete) Prostituierte aus dem Off als „kleine Handarbeiterin“ zu betiteln und ihren alternden Liebhaber die Minuten bis zur Wirkung seines Viagras runterzählen zu lassen.
Es geht um eine Familienkonstellation, in der alle irgendwie scheiße sind: Alfie (schön selbstironisch: Anthony Hopkins) trennt sich von Helena (Gemma Jones) und erlebt seinen dritten oder vierten Frühling mit der Prostituierten Charmaine, während Helena Trost bei einer Wahrsagerin sucht, die ihr sherrygeschwängerte Versprechungen wie die vom aufregenden Fremden aus dem Titel macht. Währenddessen liebäugelt Tochter Sally (Naomi Watts) mit ihrem Vorgesetzten (Antonio Banderas) – und Sallys Mann Roy begafft lieber die heiße Nachbarin (Freida Pinto), als endlich sein zweites Buch fertigzustellen.
Natürlich bekommen alle irgendwie ihr Fett weg, und das ist dank der durchwegs toll besetzten Darsteller sogar stellenweise ganz lustig, doch auf nur einen einzigen originellen Einfall des „Altmeisters“ hofft man vergebens. Vom ach-so-beschwingten Soundtrack über die Erzählstimme, die alles nur noch schlimmer macht, bis hin zu den nur so mittel innovativen Wirrungen rund um das leidige Thema „In einer Beziehung mutiert jeder irgendwann zum Arschloch“ wird man das Gefühl nicht los, das alles schon mal pointierter (oder zumindest mit Scarlett Johansson) gesehen zu haben.

Früher war eben doch alles besser:

Eine kafkaeske Riesentitte, die wahllos Menschen angreift, ein Paar, dass es nur in der Öffentlichkeit treiben kann, ein Mann der in ein Schaf verliebt ist und der Geschlechtsakt aus Sicht eines Spermiums: wenn „Was sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“ mal wieder nachts auf Arte läuft, bleiben keine Fragen offen – außer einer: warum hat Woody Allen es eigentlich in den letzten 38 Jahren nicht geschafft, auch nur einen Film zu machen, der an diesen herankommt?

1 Kommentar

  1. Das ist mal ein interessanter Beitrag, mein Dank. Muss man erstmal verarbeiten. Generell finde ich die Seite leicht zu verstehen und bequem zu lesen.