Das aktuelle Feigenblatt

Heimliche Küsse, verbotene Berührungen - nichts ist so verführerisch wie fremde Haut. Aber was passiert eigentlich, wenn wir der Versuchung nachgegeben haben? Kann man offen mit dem Seitensprung umgehen, ohne den anderen zu verletzen? Geschichten und Bilder zwischen Lust und Leid.
Jetzt reinblättern ...

Über Feigenblatt

Die schönste Zeitschrift für die schönste Sache der Welt - mit Kurz­ge­schichten, Essays, Aktfotografien und aktuellen Rezensionen. Das erotische Kultur­magazin für sie und ihn - alle drei Monate zu einem neuen Thema.

Archiv: Feigenblatt on Tour

Theresa

Du & Ich Sexualkongress in Wien

Keine Ahnung, was Sie letzten Sonntag getan haben – wahrscheinlich Schneeglöckchen gestreichelt im Stadtpark oder in Löffelchenstellung die Sonntagsbrunch-Croissantbrösel von den Laken gezupft. Womit wir schon wieder beim Thema wären: Für mich gab es diesen Sonntag Sex. Und das acht Stunden lang und unter professioneller Leitung.

Wie bereits im Blog angekündigt, fand dieses Wochenende im Rahmen der
SPA Health & Beauty Messe der Erste Wiener Sexualkongress statt.
Dass das Thema Sexualität im Rahmen einer “Wohlfühlmesse” neben alternativer Medizin, Ernährungsberatung oder Beautytreatments behandelt wird, ist erfreulich – und ein Schritt, der aufgeht.

Exklusive Erotik neben Naturkosmetik, Metabolic Balance neben Thai Massage, Feng Shui Beratung neben Tantra Yoga – der olle Spruch “für jeden was dabei” war auf der SPA Messe wirklich Programm.

Während neben der Bühne die Mädels von Paul Mitchell im Akkord Besucherhaare stylen, liest Gabriele Kuhn das Kapitel “In Vaginas Wahn” aus ihrem Buch “Alles. Nur nicht perfekt” – Ungefähr 5.000 Euro kostet es übrigens, sich das Jungfernhäutchen erneuern zu lassen.

Zündstoff für die anschließende Podiumsdiskussion:
Bei Modeerscheinung Intimchirurgie – Risiken & Möglichkeiten trafen der plastische Chirurg Dr. Edvin Turkov, Frauenarzt Dr. Peter Frigo, Magnolias-Geschäftsführerin Judit Rabenstein, Tantra-Expertin Gabriele Impsal und Medizintechniker Wolfgang Schober aufeinander und diskutierten vor allem die Motive für Schamlippenkorrekturen aber auch die Risiken eines derartigen Eingriffs. Entstanden ist dieser Trend in den letzten zwanzig Jahren, als Folge eines anderen Trends: Intimrasur brachte ans Tageslicht, wie “das da unten rum” wirklich ausschaut, und was man daran noch “verbessern” könnte. Möglich ist da inzwischen so einiges, beispielsweise eine Verkleinerung der inneren Schamlippen (weglasern), eine Vergrößerung der äußeren Schamlippen (mit Eigenfettunterspritzung), die oben erwähnte Jungfernhäutchenrekonstruktion, sowie eine Unterspritzung des G-Punktes. Klingt gruselig, klingt nach USA, aber angeblich spielt bereits jede/r zehnte Österreicher/in mit dem Gedanken. Stellt sich nur die Frage: wieso eigentlich? Die Frauen selbst sind es, die durch die Konkurrenz untereinander Druck ausüben, so Dr. Turkov – ihre Männer hätten mit der OP meist nichts zu tun, und seien teilweise sogar dagegen. Judit Rabenstein sieht die Problematik tiefer sitzen: genau wie Intimrasur oder Analbleaching ist Intimchirurgie ein Trend, der seinen Ursprung in der bis dato männerdominierten Pornoindustrie findet. Da Pornokonsumenten hauptsächlich Männer sind, werden Frauen indirekt unter Druck gesetzt, mit den scheinbar perfekten Darstellerinnen mithalten zu können.

Ein Thema, das noch lange nicht ausdiskutiert ist – vor einem derartigen Eingriff empfiehlt sich auf jeden Fall Recherche: Bezüglich der persönlichen Beweggründe (den Partner wechseln ist eventuell billiger und weniger schmerzhaft) und bezüglich des Arztes – “Plastischer Chirurg” ist nach wie vor keine geschützte Berufsbezeichnung, sondern eine Tätigkeit die jeder Arzt, der sich dazu berufen fühlt, unzertifiziert ausüben kann.

Der Sexualpädagoge und Kommunikationstrainer Dr. Dieter Schmutzer beschrieb in seinem Vortrag “Die beliebtesten Sexualpraktiken” genau diese – und warum die einfachen Dinge manchmal die schwierigsten, manchmal aber auch die besten sind.
Ungefähr 29% der Österreicher/innen sind mit ihrem Sexualleben unzufrieden, weil der Partner ihre Wünsche nicht erfüllt. So haben laut Schmutzer Männer und Frauen beispielsweise vollkommen unterschiedliche Zugäge zu Oralverkehr: die Männer wollen ihn, die Frauen weigern sich, was, so Schmutzer, zum echten Problem werden kann. Frauen dagegen hätten oft Angst, schlecht zu riechen oder schmecken, während etwa die Hälfte der Männer nichts gegen Cunnilingus einzuwenden hätten.
Die alte Frage, warum Männer sich jüngere Gespielinnen suchen, findet bei Schmutzer eine sexualbiologische Antwort: die relativ unterschiedlichen Erregungskurven von Mann und Frau würden sich in verschiedenen Altersspannen annähern – deswegen macht es auch Sinn, sich Madonna-like mit Toy Boys zu umgeben.
Generell empfiehlt der Sexualpädagoge einen entspannteren Umgang mit dem Thema statt einer Jagd nach dem immer aufregenderen, besseren, größeren, tolleren Sex. Die beliebteste Praktik laut Schmutzer: “gemeinsam etwas finden, was beiden Spaß macht.”

Im Anschluss hielt Judit Rabenstein einen Vortrag über die Trends in der Erotikindustrie 2010, in dem unter anderem auch Tips zum Kauf hochwertiger Sextoys gab. Neben Optik und Akkustik der Geräte ist hierbei vor allem auf das Material zu achten. Da es nur wenige Tests zum Thema Sextoys gibt, besteht großer Aufklärungsbedarf. Materialien wie Pyrexglas, Holz oder Porzellan sowie Elastomer und TPE sind unbedenklich, PVC-Sextoys dagegen verströmen giftige Dämpfe und stinken auch nach Jahren noch. Jelly, ein Material aus Plastik mit Weichmachern ist in der Kinderspielzeugbranche bereits verboten und kann sogar Gebärmutterhalskrebs hervorrufen.
In den USA sind Toys mit bedenklichen Inhaltsstoffen mit dem Label GADGET und dem Hinweis, das Produkt nicht auf Schleimhäuten anzuwenden, versehen, bei uns gibt es seitens Gesetzgebung, Politik und Konsumentenschutz derzeit keinerlei Kontrollen im Sinne einer Kennzeichnungspflicht. Außerdem ist auf die Verarbeitung der Produkte zu achten, ein schlecht verarbeiteter Penisring birgt beispielsweise große Verletzungsgefahr, von Hämatomen über Abschürfungen und Allergien kann alles passieren. Aua.
2010 bringt spannende neue Trends in die Erotikindustrie, Accessoires wie Peitschen oder Rollenspiel-Outfits erfreuen sich laut Rabenstein immer größerer Beliebtheit. Hierbei empfiehlt die Sexpertin, auf direkte Kommunikation und spielerischen Umgang mit dem Thema zu setzen, um auch Paaren, die schon länger zusammen sind, neue sexuelle Impulse zu bescheren. Außerdem wird Pornographie aus weiblicher Perspektive immer populärer.
Der Markt scheint sich einer offeneren Kommunikation zum Thema Sexualität anzupassen: waren Sextoys für Männer früher mit dem Stigma der Homosexualität behaftet, finden Prostatavibratoren auch in heterosexuellen Haushalten immer mehr Anklang.
Auch Events zur Fortbildung im Bereich Sexualität, die nicht rein medizinischer Natur sind, sind immer beliebter – der Du & Ich Sexualkongress ist hierfür wohl ein glänzendes Beispiel. Das Thema Sex im Kontext von Gesundheit und Wohlfühlen – eine wirklich gelungene Kombination, in der viele Aspekte zur Sprache kamen. Nächstes Jahr gerne wieder.

…Und wie es bei “Tantra als Sexuelles Yoga” und “Einblicke in die Tantrische Liebeskunst” so war, blenden wir an dieser Stelle mal elegant aus, schließlich lesen Eltern und Kinder mit - in der Sommerausgabe vom Feigenblatt gibts dann explizitere Einblicke.

mag ich! (8 Besuchern gefällt das)
Theresa

ich tat es für die Wissenschaft

Ob man sich in weniger als fünf Minuten verlieben kann? Ich schon. Am Donnerstag hab ich ihn in der Ubahn gesehen: Geradlinig, markant, zeitlos, sexy – ein Eames Chair von einem Mann. Allein seine Art, die Ubahntür zu öffnen hat mich fassungslos gemacht. Wie unsere Blicke sich für ungefähr drei Zehntelsekunden auf der Rolltreppe gekreuzt haben, Ladies and Gentlemen, ich bin mir sicher, das war sie: die große Liebe.
Dass ich zwar seine Schuhgröße schätzen kann, (44, mindestens) aber nicht mal seinen Namen weiß, sei als vernachlässigbares Detail hintenangestellt. Schade eigentlich, dass ich noch nicht schmerzfrei genug bin ihm via Liebesbotschaft einen Heiratsantrag vor tausend brennenden Herzen im Ubahnhof zu machen. Schätzungsweise werde ich ihn nie wiedersehen, dabei hab ich im Geiste schon unsere ersten drei gemeinsamen Liebesurlaube und Vornamen für die schwarzgelockten Zwillinge (kommen nach ihm, aber die Augen sind von der Mama) klargemacht.

Zum Glück gibt es Ablenkung, und die nennt sich: Speed-Dating. Natürlich nicht, weil ich das irgendwie nötig hätte, sondern weil der universitäre Wissensdrang es erfordert. Für ein Onlinemagazin-Projekt gilt es, im Dienste der Wissenschaft investigativ lockzuvögeln.
Ich habe Angst. Meine Kenntnisse übers Speed Dating stammen aus einer Folge Sex and the City, und die verspricht übles:

Fühle mich wie ein Dönertier am Spieß. Ich zahle Geld dafür, mich von neun Männern in sechs Minuten bewerten zu lassen? Männer, die dafür zahlen, wohlgemerkt doppelt so viel, mich zu bewerten? Liebe nach der Stechuhr? Wo bleibt denn da die Romantik? Und wer bitte, macht denn bei so was mit, ich meine, absichtlich und so?

Nur 26 Stunden nach meinem amourösen Erweckungserlebnis in der Ubahn finde ich mich auf einem weißen Designersofa wieder, vor mir eine Schale Gummibärchen, ein großes Glas Wein und, gestatten, „M1“. Beim Speed-Dating bekommt man lustige Nummern, die man auf einen Zettel schreibt, inklusive einer Zeile für Notizen und dem obligatorischen Ja( ) / Nein ( ) Feld. Ich notiere „Bregenz, Steuerfachdingsda“ und damit ist eigentlich auch schon alles gesagt.
M1 sucht dringend nach einer Frau, die auch mal mit ihm ins Kabarett geht, und ob ich denn finde, dass man das sagen kann, nach fünf Minuten, so generell jetzt gesehen.
Ja und Nein, lieber M1. In deinem Fall: (x) Nein.
Es folgen: Männer, die ich unter anderen Umständen nie kennengelernt hätte – was, sind wir ehrlich, irgendwie auch echt ok so ist.
Mein Fazit nach acht weiteren Dates: Erschöpfung. Speed-Dater sind kommunikative Wesen, vor allem wenn man sie, so wie ich, konsequent mit peinlichen Fragen löchert, anstatt auch mal was über sich selbst zu erzählen. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, meinen Marktwert zu testen, und einfach neunmal (x) Ja anzukreuzen, um zu sehen, bei wie vielen Traumprinzen ich theoretisch so landen könnte (Die Dating-Agentur vermittelt die Kontaktdaten nur weiter, wenn beide das Kreuzchen beim JA setzen).
Der Vortrag meines besten Freundes über Ethik im Journalismus und das Angebot auf dem weißen Designersofa tun ihr übriges: Ich kreuze nur zweimal (x) Ja an. Bei Jungs, mit denen man mal im Pub über Musik quatschen könnte. Die ich sonst aber auch nie kennengelernt hätte, weil sie mir einfach nicht aufgefallen wären. (Sorry, Jungs…)

Ob ich das jetzt weiter empfehlen kann? Um in extrem kurzer Zeit extrem viele Leute kennenzulernen: (x) Ja. Um sich mit vollkommen fremden Frauen auf dem Mädchenklo zu verschwestern, indem man Reizwörter wie “DER POLIZIST!!!” fallen lässt und kollektiv in hysterisches Gelächter ausbricht: (x) definitiv. Für die große, große Liebe: werde ich wohl weiterhin öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Herbert Braun

Teasing für tote Hosen

Tittentanz und SpitzenschlüpferNicht, dass wir jetzt, in der heißen Phase von Feigenblatt 18, unter besonders viel Freizeit leiden würden, aber eine Veranstaltung mit dem Titel “Tittentanz im Spitzenschlüpfer” wollten wir uns nicht entgehen lassen. Für die “Erste Lesung zum Ankieken” konnten die jungen Organisatoren Punk-Veteran und Tote-Hosen-Mitgründer Trini Trimpop gewinnen, der sich ein Programm von witzigen Erzählungen rund um sexuelle Katastrophen, bizarre Spielarten der Masturbation und Fehlgriffe durch Volltrunkenheit zusammengesucht hatte. Zum “Ankieken” waren aber vor allem die Teaserettes, vier Burlesque-Tänzerinnen, die weibliche Reize auf ironische Art in Szene setzen. Aber falls Sie jemals eine Veranstaltung der Teaserettes besuchen (was ich sehr empfehlen würde): Setzen Sie sich um Gottes Willen nicht in die erste Reihe. Sie werden schon merken, warum.

mag ich! (1 Besucher gefällt das)
Herbert Braun

Erophil-Nachlese

Eigentlich wollte ich ja was zur Erophil bloggen, aber dann war ich nach:

… schlechterdings zu platt dafür. Dafür hat unsere nette Standnachbarin Sarah Ines Struck vom Storia Verlag ein paar bebilderte Eindrücke dazu festgehalten.

Dem habe ich nicht viel hinzuzufügen – es war ein entspanntes Klassentreffen mit angenehmen Gesprächen. Von den Lesungen habe ich nichts mitbekommen, in den Panels (wo ich selbst etwas über aktuelle Entwicklungen der erotischen Literatur erzählt habe) haben mir Claudia Gehrke vom Konkursbuch-Verlag und Joachim Bartholomae von Männerschwarm sehr imponiert. Ich hatte zwar den Eindruck, die Veranstalter hätten lieber ein wissenschaftliches Kolloqium über Erotik in der französischen Literatur organisiert, aber okay. Eine zweite Auflage der Veranstaltung ist angekündigt, wir werden gern wieder dabei sein.

Noch ein Nachtrag zum aktuellen Heft “Macht und Hingabe”: Unser Autor beebee hat mich auf einen interessanten Text aufmerksam gemacht, der durchaus ins Heft gepasst hätte. Wenn Sie das Heft also durchgelesen haben, kann ich diesen Artikel als Anhang empfehlen …

Herbert Braun

PorYes: Aufbruch zu einer besseren Pornografie?

Sie hat ja einigen Staub aufgewirbelt, die “1. Feministische Pornofilm-Preisverleihung”: Von Zeit und Spiegel online bis zu den Boulevardzeitungen haben sie alle über die PorYes-Aktion berichtet, die Laura Méritt und das Freudenfluss-Netzwerk auf die Beine gestellt haben.

Die Preisverleihung Samstag Abend in den Hackeschen Höfen in Berlin hat eine Menge Energien gebündelt und viele Facetten vorgeführt, wie man Sexualität lustvoll darstellen kann. Die Liste der Preisträgerinnen liest sich wie ein Who-is-who der noch recht überschaubaren Branche: die Pionierin Candida Royalle, die im Feigenblatt schon mehrfach gewürdigte Petra Joy, Maria Beatty mit ihren künstlerischen SM-Inszenierungen und die unglaubliche Annie Sprinkle, ein sexuelles Gesamtkunstwerk (und leider die einzige Preisträgerin, die nicht persönlich erscheinen konnte). Shine Louise Houston, die sich nicht um hetero- oder homosexuelle Klischees schert, kannte ich dagegen noch nicht, ebenso wenig die Macherinnen eines Lesbenpornos aus den 90ern, dessen Titel ich jetzt nicht finden kann.

Ich finde es ungemein verdienstvoll, wie Méritt und Co. das alte Schema von feministisch moralisierenden Lusttöterinnen versus männliche Billigpornokonsumenten unterlaufen. Allenfalls frage ich mich, ob man für den Versuch, bessere Pornografie zu machen, die Gräben zwischen den Geschlechtern aufreißen muss. Meine Meinung ist, dass es nicht um Pornos für Männer und für Frauen geht, sondern um gute oder schlechte Pornos. Sind wir Männer wirklich so anspruchslos, dass wir mit der üblichen jämmerlichen Mainstream-Vaginalartistik zufrieden sind? Oder lassen sich alternative Pornos einfach leichter vermarkten, wenn das Etikett “feministisch” draufklebt? (Was entschuldbar wäre, denn Porno abseits des Mainstreams ist ungemein schwer verkäuflich.)

Positiv gesehen, treiben die Schlagworte “PorYes” und “Feministische Pornografie” die Leute ziemlich um: Schaut man sich zum Beispiel hier und hier die zahlreichen leidenschaftlichen und meist völlig unqualifizierten Leserkommentare an, scheint die Provokation dieser Veranstaltung aufgegangen zu sein.

PS: Die Werke der meisten prämierten Filmemacherinnen lassen sich am Wochenende im Rahmen des PornFilmFestivals in Berlin bestaunen.

Anja Braun

Amora im Berliner Beate-Uhse-Museum

Gerade bin ich zurück von der Eröffnung der “Amora”. Über die Erlebnisausstellung Amora hatten wir ja im Feigenblatt bereits berichtet – nun residiert sie für ein Jahr in der oberen Etage von Beate Uhses Erotikmuseum am Berliner Zoo. Im Vergleich zu dem, was ich vorher in diesem Räumlichkeiten gesehen habe, ist die neue Austellung wirklich ein Highlight! In sieben “erogenen Zonen” erfährt man allerhand über Sexualiät – auch manches, was man noch nicht wusste. Viele Exponate sind zum Anfassen und interaktivem Gebrauch bestimmt.
Publikumsmagneten waren die beiden Figuren, bei denen man den G- bzw. P-Punkt ertasten musste und die das mit einem lustvollen “Aaahhhhh….” quittierten.

G-Spot-Finder

Ein wenig an Bierzeltstimmung erinnerten zwei Hinterteile zum Draufhauen. Die Popoklatscher der BesucherInnnen werden auf einer Skala von “zu schwach” bis “das reicht” bewertet – ähnlich wie beim Hau-den-Lukas.
Die Amora macht sicher Spaß und lässt sich auch gut in einer Gruppe besuchen – um intime Stimmung oder wirkliche Reflektion über die eigene Sexualität aufkommen zu lassen, ist es aber zu laut und beengt. Ein wenig mehr Platz hätte der Ausstellung sicher gut getan.

Alles Wissenswerte zur Amora gibt es auf der Website vom Erotik Museum Berlin, die mit der Eröffnung der Amora auch endlich von Flickflack-Werbung befreit wurde und im neuen Gewand erscheint.

Herbert Braun

Feigenblatt in Berlin

Oh, oh, letzter Beitrag hier von Ende März. Wichtigste Info: Wir leben noch, arbeiten und auch das Feigenblatt blüht und gedeiht. Für die Funkstille gibt es einen guten Grund: Wir sind vor Kurzem nach Berlin umgezogen.

Die neue Verlagsadresse lautet:
Groninger Straße 36
13347 Berlin
Telefon: 030 / 39 37 73 84
Fax: 030 / 39 37 73 85

Wenn wir nicht gerade Umzugskisten von einem Zimmer ins nächste schleppen, basteln wir an der kommenden Feigenblatt-Ausgabe zum Thema Wasser – erscheinen wird sie Mitte Juni.

Herbert Braun

Pornos gucken

Der VeranstaltungsortWährend der letzten Venus hat uns die in Amsterdam lebende amerikanische Filmemacherin Jennifer Lyon Bell zum Erotikfilmfestivals “Rated X” eingeladen. Als eine der Organisatorinnen wollte Bell dort ihren Film “Matinée” uraufführen. Veranstaltungsort war das Kino und Kulturzentrum “Kriterion” in Amsterdam; an vier Tagen liefen dort von vier bis Mitternacht in zwei Sälen alternative Pornos, Dokumentationen und schräge Kurzfilme. Ich habe nur drei Vorstellungen und eine halbe Podiumsdiskussion geschafft, Anja zwei Filme mehr.
Mein einziger abendfüllender Film war der charmante Animationsfilm “My Art School Summer”, ein anscheinend autobiografischer Rückblick auf die Sturm- und Drangjahre der Filmemacherin Mary Sandberg. Trotz seiner vielen expliziten Sexszenen hat sich hier nichts nach Porno angefühlt – es war eher eine offenherzig erzählte Jugenderinnerung mit niedlichen Zeichnungen.
Jennifer Lyon Bell und ihre Hauptdarstellerin (links) Mein Restprogramm bestand aus Kurzfilmen, von denen Jennifers Premiere (gefeiert in Anwesenheit der Hauptdarstellerin) mit ihrer intensiven Liebesszene den meisten Eindruck hinterlassen hat.
Erika Lusts “Barcelona Sex Project” (siehe Feigenblatt 13), aus dem ein Ausschnitt gezeigt wurde, setzt dagegen auf eine betont kühle Optik. Einem Mann auf der Kinoleinwand beim Masturbieren zuzusehen, ist für einen Hetero-Mann ein ungewohnter Anblick, der zur Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität beinahe zwingt. Das weibliche Gegenstück dazu war ein Film aus der Reihe “I Feel Myself“, bei dem mich vor allem die abgeklärte und ironische Art der Hauptdarstellerin, über ihre Sexualität zu reden, verblüfft hat.
Ich habe keine Ahnung, was “feministischer Porno” sein soll, aber was für mich nicht dazu zählt, ist, dass sich eine Frau würgen, schlagen und eine Viertelstunde wie ein Kaninchen rammeln lässt (offenbar ohne dabei zu kommen). Hauptdarstellerin und Autorin Madison Young fühlt sich trotzdem als feministische Vorkämpferin. Wenn sie meint.
Da ich bisher immer das Berliner Pornofilmfestival verpasst habe, habe ich keine Erfahrungen mit Porno im Kino. Die Anwesenheit anderer Leute im Saal stört mitunter – nicht, weil einen die Leidenschaft übermannt, sondern weil Geplapper und Gegiggel sich nicht der oft echten Leidenschaft mancher Darsteller auf der Leinwand verträgt; ich fand das bisweilen respektlos. Eine Beobachtung, die ich auf unseren Lesungen gemacht habe: Viele Zuschauer/-hörer sind dankbar für jede Gelegenheit, durch Lachen die Spannung zu lösen (da andere Möglichkeiten der Spannungslösung unpassend wären). Das ist prima, wenn der Film (oder die Geschichte) das hergeben – wenn nicht, nervt es.
Tatsächlich hatten die meisten Filme, die ich gesehen habe, einen sehr distanzierten Blick auf Sex, von albern über ironisch-didaktisch bis künstlerisch verfremdend (in glücklicherweise nur einem Fall nervige Pseudokunst). Die Mehrzahl der Filmemacher auf dem Festival mögen sich offenbar nicht mit der Rolle begnügen, Intimität zu zeigen und sexuell zu erregen. Um so mehr Respekt für die wenigen, die das riskiert haben.
Dieser hier dürfte nicht zu Ihrer Erregung beitragen – aber er ist großartig. Finde ich.

Anzeigen Kleinanzeige: rosenfessel Kleinanzeige: maria-eilers
Anzeigen Kleinanzeige: be-inflamed Kleinanzeige: dolce-piccante
Anzeige Kleinanzeige: daria-charon

Gerade kommentiert

Anzeigen Kleinanzeige: petra-joy Kleinanzeige: heelsparty

Stichwortwolke

arte Dian Hanson Doris Lerche Feigenblatt 11 Feigenblatt 12 Feigenblatt 13 Feigenblatt 14 Feigenblatt 15 Feigenblatt 16 feministischer Porno Feuchtgebiete FKK Frauen Fun Factory Intersexualität Intimchirurgie Inzest-Urteil Jugendschutz Konferenz Lelo Lesung liebe Masturbation Männer nackt Playboy Porno Pornografie Puritaner Revirginisierung Roy Stuart Schamhaar Sex Silke Maschinger Tantra Ulrich Clement Umfrage Urlaub Venus Web 2.0 Website Wien Wikipedia Wochenschau Zensur