Das aktuelle Feigenblatt

Heimliche Küsse, verbotene Berührungen - nichts ist so verführerisch wie fremde Haut. Aber was passiert eigentlich, wenn wir der Versuchung nachgegeben haben? Kann man offen mit dem Seitensprung umgehen, ohne den anderen zu verletzen? Geschichten und Bilder zwischen Lust und Leid.
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Über Feigenblatt

Die schönste Zeitschrift für die schönste Sache der Welt - mit Kurz­ge­schichten, Essays, Aktfotografien und aktuellen Rezensionen. Das erotische Kultur­magazin für sie und ihn - alle drei Monate zu einem neuen Thema.

Herbert Braun

Wochenschau: Porno-Verbot und Weltraum-Sex

Als Teenager blätterte ich mit schlechtem Gewissen verstohlen darin herum, aber dass es sie in den letzten zwanzig Jahren überhaupt gab, ist völlig an mir vorbeigelaufen. Nun ist die wohl letzte Ausgabe der Revue erschienen. Aufstieg und Niedergang der Zeitschriftenbranche lassen sich gut ablesen an der (Neuen) Revue: Von der Projektionsfläche für Nachkriegsträume über die sexuelle Aufbruchsstimmung zum schlichten Tittenheft in den 80er-Jahren, dann (während die ähnlich gelagerte Quick den Weg zum Altpapier antrat) der Versuch, sich wieder als Klatsch- und Glamourmagazin zu etablieren. Nun hat der Bauer-Verlag, der nicht gerade im Ruf übertriebener Sentimentalität steht, die alte Neue Revue sterben lassen (hier ein schöner Nachruf bei der Frankfurter Rundschau). Kurz zuvor hat es schon den Billig-Playboy Matador erwischt, nächster auf der Liste ist offenbar das Nackedei-Boulevard-Heftchen Coupé.

Billig-Erotik ist nicht mehr gefragt, könnte man daraus schließen. Schön wärs – aber online sitzen die Blusenknöpfe und die verschwitzten Phrasen noch lockerer als im papierverarbeitenden Gewerbe. Und wenn mal was Edles zu besichtigen ist, merken viele nicht einmal den Unterschied. Irgendeine Journalistin hat entdeckt, dass es in den ZDF-Sommernachtsphantasien doch tatsächlich irgendwie um Sex geht (und zwar schon seit 15 Jahren), und drei große Redaktionen machten mit Freuden ein Skandälchen daraus.

Jetzt sollen auch noch Pornos international verboten werden – fordert jedenfalls der Direktor der Landesmedienanstalt NRW. Alles, was man dazu sagen kann, haben andere schon gesagt, der Rest sei Schweigen. Man muss die Pornos ja nicht unbedingt während einer Sportübertragung im Fernsehen senden – was jüngst einem neuseeländischen Sender passiert ist.

Und der Nachwuchs ist noch verklemmter, allem Porno-Chic und der Playboy-Mode zum Trotz. Glauben Sie nicht? Schauen Sie sich mal diesen Film an (via) . Ich fordere eine Tapferkeitsmedaille für diesen Lehrer, der sich vor seine 15-jährigen Realschüler hinstellt, sich als schwul outet und mit ihnen über Coming out diskutieren will (und dann heißt der Arme auch noch Ficano, meine Güte). Falls Sie sich fragen, ob wir damals in der Schule auch so blöd waren: sehr wahrscheinlich ja.

Kein Wunder, wenn die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia einen satten Anstieg der Beschwerden über Pornografie im Web verzeichnet. Die FSM hebt dabei besonders die 21 Prozent Anzeigen wegen Kinderpornografie hervor, über deren Abscheulichkeit sich ja wohl alle einig sind – aber was ist mit den restlichen 79 Prozent?

Aus Versehen dürfte heutzutage wohl kaum einer über Kinderpornografie stolpern, auch wenn der Online-Riese Yahoo kürzlich mit einem neuen Service erstaunliche Angebote machte. Eng wird es auch für Anbieter von nicht expliziten Minderjährigen-Fotos, die aber definitiv ein Gschmäckle haben. Auch eine deutsche Zeitung hat bei einigen Fotomodellen nicht so genau auf den Schülerpass geguckt.

Wichtiges, Unwichtiges & Abseitiges in Kürze:
Der Telepolis-Chefintelektuelle Florian Rötzer meditiert über Sex im Weltraum.
Eine junge Britin hat hautnah erfahren, dass Fledermäuse Säugetiere sind.
Ist “Cumshot” auch eine Ihrer Lieblings-Sextechniken? Dann sollten Sie lieber das Fachmagazin GQ lesen (via Sexblog).
Und die deutsche Modeindustrie will sich jetzt auf Drängen der Politik gegen den Schlankheitswahn einsetzen. Kein Problem – die Branchensprecher fühlten sich sowieso unschuldig wie ein Säugling. Woher die ganzen Bilder von klapperdünnen Kleiderhalterinnen und Rollenmodellen mit Biafra-Chic kommen, konnte sich der Verband der Modellagenturen beim besten Willen nicht erklären.

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