Permalink

1

Extra Wiggle Room

„Das ist nicht unsere Zielgruppe“, war American Apparels knappe Antwort auf die Frage, warum man denn den Schulmädchenuniform-Faltenrock nicht in Größe L produzieren könne.

Das Unternehmen, das nebst dem ein oder anderen Mitarbeiter-Missbrauchsskandal auch für seine interessanten Anstellungskriterien bekannt ist, hat offensichtlich keinerlei Interesse daran, sein Hipstergewand an die normalgewichtige Frau zu bringen – L entspräche einer deutschen 40/42, die Durchschnittskleidergröße in den USA.

Zumindest bis jetzt: vor kurzem rief das Unternehmen mit großem Brimborium auf seiner Website dazu auf, sich als Übergrößemodel zu bewerben, für, tadaaah: Kleidung in Größe 40/42! Allein die Exotik, die „die neue Übergröße“ umweht, wirkt eher beleidigend – doch auch beim Werbetext wurde sich gehörig im Tonfall vergriffen. So ist beispielsweise von „extra wiggle room“ die Rede, zu Deutsch: „mehr Platz zum Rumschwabbeln“, dazu gibt es ein mehr oder weniger erniedrigendes Kandidatinnenranking – von „not quite“ bis „XLent“.

Der 24jährigen Nancy Upton aus Virginia war die grausige Misswahl dann schließlich zu blöde: kurzerhand ließ sie sich von ihre Freundin in eindeutigen Posen ablichten: mit Essensbergen und einer Badewanne voll Ranchdressing: Ihr hätte einfach der herablassende Tonfall missfallen, mit dem American Apparel quasi den dicken Kindern erlaubt, auch mal mitzuspielen, erzählt sie im Interview mit Jezebel: And then, as corny as it sounds, it just occurred to me that based on their „Hey, come on, fatties, we want you to play, too“ tone, wouldn’t it be kind of brilliant to respond in a, „Thanks for letting me play, just let me try put down the pizza, first“ similar mocking tone. From there, I realized I knew a great photographer, I had a free couple of hours on Sunday and a little extra money in my pocket to drop on some ranch dressing and a chicken.Ich muss sagen, ich bin verliebt – und den Votern auf der AA-Homepage scheint es ähnlich zu gehen: ironischerweise hat Nancy mit ihrem kleinen Stunt nicht nur die Blogosphäre aufgemischt, sondern sich auch im PlusSizeModelcontest auf Platz 1 positioniert.
In ein paar Tagen wird die Siegerin offiziell bekanntgegeben – Nancy wird sich allerdings weigern, schreibt sie in ihrem Blog.

via: Tristan Taormino und Jezebel

1 Kommentar

  1. Eine kurze Bemerkung vorweg:

    Schlankheitswahn hin oder her, der Durchschnittsamerikaner ist zu fett, bis hin zur waschechten (und gesundheitlich extrem bedenklichen) Fettleibigkeit. Und in Deutschland ist ein ähnlicher Trend zu beobachten, wenn übergewichtige Kinder im Freibad einen Gradmesser darstellen. (Übergewicht im Kindesalter verschwindet in den seltensten Fällen wieder, vom „Babyspeck“ der frühen Jahre mal abgesehen. Und das sind noch diejenigen Kandidaten, die sich mal vom PC wegbewegen!)

    Trotzdem: was AA da treibt, ist einfach nur mit Verachtung zu strafen, und Nancy Uptons Reaktion ist einfach großartig! Sie ist definitiv eine jener glücklichen Personen, die auch (oder gerade!) mit ein paar Extra-Pfunden noch umwerfend aussehen.

    Wenn eine Marilyn Monroe heute Karriere machen wollte, würde man sie vermutlich als „zu fett“ abschreiben – und das ist ja wohl einfach nur pervers. Wer hat überhaupt dieses Magersucht-Ideal in die Welt gesetzt?