Das aktuelle Feigenblatt

Unsere Haut vermittelt den Reiz der Berührung, trägt die Schönheit nach außen. Seidenweiches Kopfhaar gilt als Kennzeichen hinreißender Weiblichkeit – doch muss der Körper wirklich haarlos sein? Das neue Feigenblatt mit hautnahen, haarigen und leidenschaftlichen Geschichten und Bildern.
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Über Feigenblatt

Die schönste Zeitschrift für die schönste Sache der Welt - mit Kurz­ge­schichten, Essays, Aktfotografien und aktuellen Rezensionen. Das erotische Kultur­magazin für sie und ihn – alle drei Monate zu einem neuen Thema.

Archiv: Wochenschau

Herbert Braun

Wochenschau: Das Ende der Männer

Jaja, Charlotte Roches “Feuchtgebiete”, Sie können’s nicht mehr hören. Ich habe auch ein schlechtes Gewissen dabei, zu dem nicht enden wollenden Rummel mein kleines Scherflein beizutragen, aber diese harsche Rezension ist es wert: Die Zeit.de-Sexbloggerin Sigrid Neudecker entlarvt den angeblich postfeministischen Roman als kalkulierte Provokation. Interessanter als das Buch sind ohnehin die Reaktionen darauf: Vom Promi-Bonus und der kindischen Freude der Intellektuellen an Grenzüberschreitungen bis hin zu den Verkaufsrekorden, dem Talkshow-Marathon und den zunehmend kritischen Stimmen ist “Feuchtgebiete” ein wunderbares Beispiel für den Schweinezyklus in den Medien. Noch nie habe ich bei den Amazon-Kundenrezensionen so viele Verrisse gesehen wie zu diesem Buch – natürlich ist es dort trotzdem noch die Nummer eins. Unsere kleine Rezension der Hörbuchfassung stand übrigens in Feigenblatt 11.

Wo wir schon bei den unerfreulichen Begleiterscheinungen der Sexualität sind: Die Ansteckungsraten bei Geschlechtskrankheiten sind stark am Steigen – und zwar weniger bei Teenagern (für die man sich ja eine Menge Aufklärungskampagnen ausdenkt), sondern bei den Über-45-Jährigen. Schön, dass es in dieser Altersgruppe so viel sexuelle Aktivität gibt, aber man möchte meinen, dass ein Mittvierziger die Sache mit den Gummitütchen verstanden haben sollte.

Schubladenschrank auf High Heels, Minibar hinter Holzbusen: Spiegel online hat ein paar unglaublich scheußliche Möbel entdeckt.

Gelegentlich zeigt die Natur sonderbare Launen und entschließt sich, einen Menschen nicht in das Männer- oder Frauenfach zu stecken, sondern irgendwohin dazwischen. Zwitter kennen wir vor allem aus Mythen und Fantasien, wo sie Symbol der Ganzheit, alptraumhafte Bedrohung oder sexuelle Verlockung sind. Welche gewöhnlichen und nicht so gewöhnlichen Probleme ein jugendlicher Intersexueller tatsächlich hat, zeigt ein ungewöhnlicher Film aus Argentinien, der gerade in unseren Kinos läuft. Die Presse ist sehr angetan von “XXY”.

A propos Ypsilon: Das Männer-Chromosom schrumpft rapide – zumindest für die Zeitmaßstäbe der Evolutionsbiologie. In 125.000 Jahren, schätzen Genetiker, könnte von diesem sonderbaren Chromosom nichts mehr übrig sein.

Die isländische Band Sigur Rós hat sich freundlicherweise bereit erklärt, das aktuelle Feigenblatt zu vertonen:

Andere Rückmeldungen zum neuen Heft haben wir auf Silke Maschingers kleinem Sexblog und auf Bild.de erhalten – was uns sehr gefreut hat.

Und noch mehr Eigenwerbung: Seit letzter Woch bieten wir einen monatlichen (natürlich kostenlosen) Newsletter an mit Veranstaltungsinformationen, Texten und dem Besten aus dem Feigenblog. Ab der zweiten Ausgabe gibt es für nachweislich volljährige Leser auch eine Erwachsenenversion des Newsletters.

Nach so viel Text ein bisschen Abkühlung. Das ErosBlog hat in seinen Archiven gewühlt und dieses Fundstück aufgetan.

Unterwasser

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Herbert Braun

Wochenschau Spezial: Alles über Bälle

Ja, es hat uns auch erwischt. Abend für Abend schauen wir uns Fehlpässe, Fouls und Schwalben an, und der Trikottausch nach dem Spiel ist für die Herausgeberin längst nicht mehr der einzige Grund dafür.

Interessant finde ich, wie intensiv im Fußball Gefühle und Körperlichkeit zwischen Männern ausgelebt werden – vom ausgelassenen Aufeinanderhüpfen bis zum zärtlichen Kopfstreicheln. Seit die 80er-Jahre-Männergruppen das Handtuch geworfen haben, dürfte Mannschaftssport das letzte Refugium für Hetero-Männer mit Wunsch nach Berührung sein.

Das ist natürlich nur möglich, weil es im Fußball keine Schwulen gibt – sagen jedenfalls die Fußballer. Wie es sich tatsächlich als schwuler Fußballprofi lebt, fand das Fachmagazin Rund vor anderthalb Jahren heraus.

Gerade im deutschen Fußball tut man sich damit erstaunlich schwer. Mit der Verklemmtheit soll aber bald Schluss sein, wenn es nach DFB-Präsident Zwanziger geht, der in einem Interview mit der schwulen Zeitschrift Männer für Glasnost beim DFB einsteht. Die Schwulen jedenfalls haben schon heute ihr Herz für die Nationalelf entdeckt und tauschen die schönsten Bilder und Gerüchte aus.
Update: Auch der Spiegel nimmt sich mit einer Bildstrecke der Fußballerliebhaber(-innen) an.

Was hat die weibliche Brust mit Fußball zu tun? Eigentlich so gut wie nichts, aber dennoch scheint die Assoziation irgendwie in der Luft zu liegen – wie etwa die Gestalter des vermutlich peinlichsten Stern-Covers aller Zeiten beweisen. Vielleicht verrät das etwas über männliches, nunja, Denken, das wir eigentlich gar nicht wissen wollten.

Hier fehlt etwas.Mir als nicht Betroffenem war nie klar, was für ein schweres Schicksal Besitzerinnen der Glandulae mammariae täglich tragen müssen: “Wenn alles nach Plan läuft, werden [meine Brüste] ihre eigentliche Funktion ungefähr in drei von den 70 Jahren erfüllen, in denen ich sie habe”, schreibt eine amerikanische Journalistin, “in der restlichen Zeit sind sie abwechselnd im Weg und bringen mich in Verlegenheit.” Damit beim Joggen das lästige Gewippe vor dem Brustkorb wenigstens den Strom für den iPod erzeugt, hat sich die Autorin dieses amüsanten englischsprachigen Artikels unter anderem mit einer Professorin unterhalten, die seit 23 Jahren die Physik der Brustbewegung studiert.

Tatsächlich scheint das Schmücken oder auch nur das bloße Tragen von Brüsten ein Sicherheitsrisiko zu sein. Und das allerskandalöseste ist natürlich dieses rote Ding da vorne drauf, Sie wissen schon. Vorsichtshalber hat ein schwedischer Dessoushersteller die Nippel des Anstoßes deshalb wegretuschiert (via Photoshop Disasters).

Dass die weibliche Brust in fast obszöner Weise sexuell ist, die männliche aber nicht, fand letzten Monat erst wieder ein Gericht heraus – dabei ist das doch offensichtlich ungerecht. Während die schwedischen Aktivistinnen von Bära Bröst für gleiches Recht im Schwimmbad kämpfen, hat man anderswo entdeckt, dass auch Männer diese bösen roten Dinger haben.

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Herbert Braun

Wochenschau XXI: Masturbation ist heilbar

Die Nachwehen von Heft 12 haben ein bisschen länger als üblich gedauert, weil wir beim Versand ein paar aufwendige technische Umstellungen gemacht haben – inzwischen sind aber alle Hefte in der Post und damit bleibt auch wieder Zeit für eine neue Wochenschau. Ergänzend zu unserem Heftthema Freikörperkultur und besonders zu unserem Porträt des DDR-Aktfotografen Klaus Ender bringt der Spiegel-Ableger Eines Tages einen Rückblick auf FKK in der DDR.

Erinnerungen an Feigenblatt 11 (“Pornografie”) hat dagegen dieses Video geweckt. Schön, dass man aus Pornobalken Kunst machen kann. Vielleicht braucht Kreativität in der Zensur einen Widerpart, an dem sie sich abarbeiten kann (ich schreibe das, ohne es zu glauben).

CollegeHumor.com

In Ländern wie Iran oder Saudi-Arabien wird (vor allem männliche) Homosexualität teilweise drastisch bestraft. Telepolis bemüht sich um Differenzierung und erinnert an die teilweise noch gelebte Tradition unverkrampfter Bisexualität in den islamischen Ländern.

Ein Vergleich der unterschiedlichen Playboy-Cover aus über 20 Ländern verspricht interessante Hinweise auf den Umgang mit Erotik. Die SZ-Bildstrecke enttäuscht aber: Mal etwas mehr, mal etwas weniger, aber auf der ganzen Welt die gleiche öde Hochglanzästhetik; die Begleittexte zählen die Brustwarzen nach. Aber was hat der Playboy auch mit Erotik zu tun?

Einsamkeit, liebe Mitmänner, ist ein schweres Los. Wenn die 9Live-Moderatorin Ihre einzige Gesprächspartnerin und zum Kuscheln nur das Schmusekissen da ist, könnte Sie eine Neuheit des Elektronikkonzerns Sega interessieren – vorausgesetzt, Sie können Ihre Gefühle auf einen 38 Zentimeter großen Spielzeugroboter projizieren, der singen, tanzen, Küsschen geben und Visitenkarten aushändigen kann und dabei so feminin aussieht wie ein Star-Wars-Krieger. Verglichen damit ist sogar diese Stripperin eine Sexbombe, die, angestöpselt an den Computer, ihre Plastikglieder lasziv schwenkt.

Was dagegen überhaupt nicht gegen Einsamkeit hilft, ist Selbstbefleckung. Sie verursacht (das sei vor allem der jüngeren Generation mitgegeben) Pickel, Blödheit und Rückenmarksschwund. Zum Glück gibt es dagegen jetzt ein Heilmittel: die “HandzOff”-Anti-Masturbationscreme. Warnung: bei abnormer Penisschwellung sofort absetzen!

Herbert Braun

Wochenschau: Die Frauen-Ausgabe

Nach längerer Kreativpause wollen wir diese Ausgabe dem schönsten und unerschöpflichsten Thema überhaupt widmen: den Frauen.

Jede zweite Ehefrau geht fremd! Skandal! Sind Ehemänner so schlecht im Bett? Diese Geschichte machte in den letzten Tagen die große Medienrunde. Schuld war der Paartherapeut Ragnar Beer, der den Fehler machte, in einer Studie die Begriffe “Affäre haben” und “55 Prozent Frauen” miteinander zu verbinden. In Wahrheit befragte Beer nur Leute, die eine Affäre hatten oder haben – und von diesen Studienteilnehmern waren 55 Prozent Frauen. Medienblogger Stefan Niggemeier gab dem Kollektiv blind abschreibender Journalisten ein freundliches “Geht sterben!” mit.

Offenbar haben viele Medienschaffende nicht so viel Ahnung davon, wie Frauen leben oder wie sie aussehen. Oder sind junge Mexikanerinnen genetisch mit Wespen verwandt?

Eine echte Wespentaille
(via Photoshop Disasters, ursprünglich in der mexikanischen “Maxim” veröffentlicht)

Bilder entstehen heute nicht mehr in der Kamera, sondern in der Bildbearbeitung. Dabei scheinen glattpolierte Retortenschönheiten im Playboy-Stil nicht mehr so gut anzukommen – jedenfalls ist ein Playmate-Casting auf YouTube ziemlich gefloppt.

Manchmal sind Frauen sehr einsam. Zum Beispiel Zugschaffnerinnen, die in ihrem geschlossenen Abteil ein bisschen Trost suchen. Blöd nur, wenn sie bei ihren Entspannungsübungen vergessen, das Mikro abzuschalten.

Es ist kompliziert mit den Frauen. Während Alice Schwarzer sich gründlich selbst demontiert, wird viel von einem neuen Feminismus gefaselt, der sich gern schmutzig und aggressiv gibt. “Lady Bitch Rays und Charlotte Roches enthemmte Selbstbeschäftigung verhindert geradezu eine ernsthafte Debatte über die Belange von jungen Frauen”, findet ein lesenswerter langer Artikel auf Telepolis (den ein Mann geschrieben hat).

Was Männer wollen, ist dagegen ganz einfach zu verstehen:

Gedemütigt von ihrer verzweifelten Suche nach Liebe wenden sich Männer oft brutalen Ballsportarten zu (wie sie ja gerade recht populär sind), um ihre unerwiderten, ungerichteten Emotionen auszuleben. Dabei würde ein bisschen Nähe und Zärtlichkeit vieles einfacher machen:

Echter Kontaktsport
(via Ads of the World – Bildausschnitt)

Seien Sie nett zueinander. Auch wenn Deutschland nicht Europameister wird.

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Herbert Braun

Wochenschau: 12,8 Frauen mit erigiertem Gemüse

Versuchen Sie gar nicht, es zu verbergen. Jeder sieht es Ihnen an. Wissenschaftler haben es herausgefunden, und die Frauen wussten es eh schon immer, wer fürs Heiraten und wer fürs Turteln gut ist.

Die guten alten Zeiten: Wie eng Sex und Politik Ende der 60er verknüpft waren, lässt sich nicht nur an alten Ausgaben der “Konkret” ablesen. Auch die “St. Pauli Nachrichten” hatten einmal eine Mission: die Bildzeitung links zu überholen. Der Gründer, Günter Zint, erzählt von wilden Jahren mit Stefan Aust und Henryk Broder. Und die Bild hasst er noch immer.

Was die tatsächliche sexuelle Freiheit der 68er angeht, hat allerdings eine Zeitzeugin wenig Romantisches zu berichten – in dieser Hinsicht hatte die Kommune wohl ein Theorie-Praxis-Problem.

Fremdwort des Tages: Dysmorphophobie. Wenn Sie ein junger Mann sind, wissen Sie wahrscheinlich nicht, was das ist, aber Sie könnten es haben. In meiner Schulzeit nannte man diese Krankheit, glaube ich, Eitelkeit.

Überhaupt, Männer. Eben habe ich erfahren, dass ich Sex mit 12,8 Frauen hatte und gerade noch von der sexuellen Befreiung profitieren konnte. Widersprüchlich dagegen meine künftigen Aussichten: Junge Frauen suchen zunehmend aktiv Kontakte mit erfahrenen, älteren Männern (ich bin 37, meine Damen), allerdings sind große Männer nicht nur beruflich, sondern auch bei Frauen erfolgreich (sieht schlecht aus mit meinen gnomenhaften 1,74).

Der Porno-Fachdienst AVN macht sich Sorgen um die Jugend von heute, die Porno lieber umsonst im Web anschaut statt ehrlich zu kaufen, und untersucht erfrischend sachlich die DVD-Sammlungen von US-Studenten.

Vorwände, um jemanden zum Sex zu überreden, Folge 114 und 115: Es ist gut für deine Gesundheit. Meine Religion zwingt mich dazu.

Mit dem Keuschheitsgürtel ins 21. Jahrhundert: Eine indonesische Stadt will die Prostitution in Massagesalons mit drastischen Mitteln zurückdrängen (sehr passend dazu das Bild, welches das ZDF dazu herausgesucht hat).

O je, schon wieder so viel Text und kein Bild … okay, hier ist eins.

Scharf durch Gemüse

Petra Joys neue DVD “Feeling it, not Faking it” enthält nicht nur einen sehr schönen – wie wollen wir es nennen? Erotikfilm? Porno? -, sondern auch eine wirklich lustige Parodie auf Mainstream-Porno. Mit erigiertem Gemüse und garantiert unechten Orgasmen.

Haben Sie übrigens schon diese brandneue Web-2.0™-mäßige Tag-Wolke™ rechts bemerkt, mit der dieses Blog nun endlich ins 21. Jahrhundert vorstößt? Und das sensationelle Banner rechts oben, das Ihnen diskret ein Feigenblatt-Abo nahelegt? Die Zukunft, sie kann kommen.

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Herbert Braun

Wochenschau XVIII: Gebraucht-Jungfrauen, Tabus en masse

Silke Maschinger hat über das neue Feigenblatt ein paar sehr nette Worte gefunden (und ein paar davon vorsichtshalber nicht ausgeschrieben … jugendfreie Naturbeschreibungen können sehr tückisch sein).

Es könnte ja alles noch schlimmer kommen. Es gibt Länder, da fliegen Mädchen von der Schule, wenn sie die “Vagina-Monologe” vorlesen, Länder, wo eine vergewaltigte Frau vor Gericht das Wort “Vergewaltigung” nicht aussprechen darf. Nein, das ist nicht im Iran oder in Saudi-Arabien passiert.

A propos verboten: Von der Inzest-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts dürfte ja jeder schon gehört haben. Offenbar bin ich nicht der Einzige, bei dem die Berufung auf überlieferte Tabus ein flaues Gefühl hinterlässt; Telepolis sieht die sexuelle Selbstbestimmung gefährdet.

Von einem Tabu zum nächsten: Gewisse Spielarten von Tierliebe wird Benjamin Blümchensex abstoßend und schockierend finden, aber warum Sodomie gleich eine Straftat ist (unabhängig von Tierquälerei, versteht sich), hat mir nie so recht eingeleuchtet. Nun ist sie auch in Holland verboten. Wie es ein Abgeordneter ausdrückte, wollten die Niederlande kein Magnet mehr für Perversionen sein.

Harald Martenstein hat dank Emnid herausgefunden, dass Sadomasochismus seine politische Heimat in der FDP hat und dass die Union Angst vor Sex hat. Hoffentlich ist wenigstens Kuscheln ok.

Das Erosblog, immer gut für obskure Fundstücke, hat zwei liebevoll gefertigte Spielzeugsets aus einer Zeit aufgetan, in der es noch keine krebserregenden Weichmacher und brummenden Spielzeugentchen gab.

Ein interessanter Nachtrag zum Thema “feministischer Porno” aus unserem aktuellen Heft: Beim Berliner Pornofilmfestival im November gab es einen kleinen Disput, ob Blowjobs oder Ejakulationen auf den Körper der Frau politisch korrekt seien oder nicht. Protagonistinnen des Streits waren die Filmemacherinnen Erika Lust und Petra Joy; Audacia Ray, Bloggerin und selbst Pornofilmerin, fasst die Diskussion zusammen und bezieht Stellung. Lust vs. Joy, lustig.

Dieser Artikel hat eine komische Wirkung auf mich gehabt. Erst habe ich mich vor Lachen nicht mehr eingekriegt, dann habe ich die Klauen des Wahnsinns nach mir greifen gespürt; geendet hat es mit einer Mischung aus Unverständnis und Belustigung.
Wie Sie vermutlich wissen, laufen in den USA seit Jahren Kampagnen, um Jungfräulichkeit bis zur Ehe zu erhalten. Das scheint nicht so gut zu klappen. Das Hymen ist den Weg alles Irdischen gegangen, vielleicht sind schon ein, zwei Kinderchen auf der Welt? Kein Problem – “Revirginization” heißt der neue Trend.
Während sich die einen mit Gebet und Meditation in den Stand der Unschuld zurückversetzen, wollen die anderen runderneuerte virgines intactae sein und lassen sich für ein, zwei Monatsgehälter ein Retortenhäutchen einsetzen. Am Ende des Artikels kann man abstimmen, ob eine Second-Hand-Jungfrau so gut ist wie Neuware – freilich mit deutlichen Ergebnissen.
Ganz unkomisch ist allerdings, dass sich manche Frauen aus rückständigen Kulturen (man könnte das auch wertfrei formulieren, aber mir ist nicht danach) diesen Quatsch nur antun, um ihr Leben zu schützen.

Herbert Braun

Wochenschau: Robotersex und Sylvester Stallone

Während ich hier schreibe, geht in Berlin gerade der vorläufig letzte Erotiksalon zu Ende. Dabei gäbe es noch so vieles, worüber man mal reden sollte.

Zum Beispiel über die Sexbranche im Umbruch. Betroffen sind nicht nur Schmuddelheftchen, sondern auch Sexkinos und Videokabinen, denn die zwei Minuten bis zum Zewa-Tuch verbringen die meisten inzwischen vor dem eigenen Computer. Die taz hat eines der letzten Pornokinos in Berlin-Mitte besucht.

Der technische Fortschritt macht unter der Gürtellinie nicht halt: David Levy, Experte für künstliche Intelligenz und Computerschach, prophezeit, dass Mitte des Jahrhunderts Sex mit Robotern üblich sein wird. Klingt erst einmal albern, ist aber nicht unrealistisch, wenn man sich darunter keine piepende Blechdose, sondern eine animierte Sexpuppe vorstellt (ich hoffe nur, sie wird nicht so aussehen wie die zuletzt hier gezeigten). Liegt es an meinem Alter, dass ich Zukunftsvisionen meistens beunruhigend finde?

Und noch mehr schlechte Nachrichten, meine Herren: Unsere im biologischen Sinn einzige Existenzberechtigung als lebende Spermienfabrik macht die Wissenschaft gerade zunichte: Gentechnisch behandelte Stammzellen aus dem Knochenmark tuns auch. Und zwar ohne den ganzen Stress. Ziehen wir uns einfach diskret in den Jurassic Park der ausgestorbenen und überflüssigen Arten zurück; die Saurier im Film kamen ja auch ohne Männchen zurecht.

Da ist es ein schwacher Trost, dass dänische Samenspender ihre Dienste weiterhin steuerfrei als Transportleistung und nicht als Arbeit versteuern müssen. Immerhin lernen wir nebenbei, dass Dänemark nicht nur die ekligsten Würstchen, sondern auch die größte Samenbank der Welt besitzt.

Knapp anderthalb Millionen Dollar kosten dem Fernsehsender ABC ein paar Sekunden nackter Frauenhintern, der in manchen Zeitzonen der USA vor 22 Uhr zu sehen war. Ob in der beanstandeten Folge der Krimi-Serie “NYPD Blue” auch Gewalttaten gezeigt worden sind, die keiner für jugendgefährdend hielt? Ach, Amerika.

Und noch mehr Jugendschutz: Die Klage eines Erotik-Unternehmers, nach welcher der Internetprovider Arcor den Zugang zu Google hätte sperren müssen, wurde vom Oberlandesgericht Frankfurt abgewiesen. Für den Kläger, den Erotikunternehmer Tobias Huch, gerade deshalb ein Erfolg: Er wollte den Beschluss einer anderen Kammer (wir berichteten) lächerlich machen, der Arcor-Kunden den Zugriff auf YouPorn und andere Porno-Sites verwehrte – und bislang noch immer verwehrt.

Schluss zu machen, ist nicht immer vergnüglich. Statt per SMS oder Post-it ist es doch viel sensibler, eine ausführliche E-Mail zu schreiben. Oder schreiben zu lassen von einem Abschiedsbrief-Generator. Der Stil reicht von “Ich freue mich auf unsere Freundschaft” bis “Mögen Maden deine Testikel verspeisen”.

Sollten Sie demnächst in Yorkshire/England auf den Bus warten, nehmen Sie bitte Ihre Freundin von der Hundeleine. Ansonsten werden Sie wegen Verletzungsgefahr nicht mitgenommen – jedenfalls solange die Beschwerde eines SM-Paares, das Busunternehmen habe sie diskriminiert, nicht Erfolg hat.

Italian Stallion
Kaum zu glauben, aber wahr: Eine 42-jährige Aachenerin, die sich nach diversen Gewalttätigkeiten ihrem Mann nicht mehr nähern durfte, bedrohte ihn erneut – mit einem 18 Zentimeter langen Küchenmesser, das sie in ihrer Vagina versteckt hatte.

Silke Maschinger erinnert an 60 Jahre Kinsey-Report. Den runden Geburtstag (es wird der vierzigste sein) feiert Dr. Sommer erst nächstes Jahr, aber “Eines Tages” plündert schon mal die Jugenderlebnisse.

Etwas abgehangen, aber immer noch ein Lesegenuss: Zeit-Kolumnistin Sigrid Neudecker nimmt sich streitlustig die sogenannten Sextipps eines Hochglanzbusenhefts vor.

Cineasten vor: Was war die erste Rolle von Jahrhundertschauspieler Sylvester Stallone? Richtig, ein Porno namens “Italian Stallion”. Die ungeschnittene Fassung dieses Meisterwerks von 1970 kommt nächste Woche in einer Liebhaberedition heraus, inklusive einer kritischen Würdigung von Nicolas Barbano, Edel-Porno-Produzent und vermutlich der größte lebende Experte auf diesem Gebiet. Besser war Stallone nie mehr.

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Herbert Braun

Wochenschau XVI: Dildo-Bomben, Homo-Fliegen

In sexueller Hinsicht eine recht ruhige Woche, Börsencrash und Gerede von Jugendstraflagern drücken auf die Libido. Eine gute Gelegenheit, ein paar olle Kamellen aus dem Schlechtes-Gewissen-Ordner dezent aufzubrühen.

Man kann die Darwin Awards unangenehm zynisch finden. Aber irgendwie ist es schon lustig, auf welch seltsame Art sich bisweilen Menschen unfreiwillig aus dem Leben befördern. Sieger der Jahreswertung 2007 wurden zwei 21-Jährige Amerikaner, die auf die glorreiche Idee kamen, miteinander Sex zu haben. Auf dem Giebeldach eines vierstöckigen Hauses.

Der stets lesenswerte Zeit-Kolumnist Harald Martenstein vergleicht “Keinohrhasen” mit “Stille Tage in Clichy” und wundert sich über die Altersfreigaben im deutschen Kino.

Vibratoren, die man per Handy fernsteuern kann, sind ja inzwischen ein alter Hut. Das gibts jetzt auch für Männer, mit “twin-bullet cock ring”. Bei jedem Anruf und jeder SMS brummt’s in der Hose. Hm.

Was hat Biometrie mit Intim-Schönheitschirurgie zu tun? Wir wissen es nicht, aber Google AdSense wird sich schon etwas bei dieser Werbeeinblendung gedacht haben.

Die Zeit sucht nach der immer gleichen, immer neuen Mechanik weiblicher Reize und ihren bisweilen drastischen Modeausprägungen.

Neues aus der Rubrik “Wissenschaftler haben herausgefunden”: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass man durch Mutation eines Gens die sexuelle Neigung von Hetero auf Bi umschalten kann. Jedenfalls bei Fliegen.

Das Erotikblog Lust und mehr bringt eine Art Schreibkurs für Erotikgeschichten.

Sigrid Neudecker entdeckt jetzt sogar in den unschuldigen Star-Trek-Folgen Phallussymbole. Sowas.

Ein mysteriöses Paket in einem Parkhaus, zugeklebt … und es bewegt sich und brummt! Die Göteborger Polizei war alarmiert und schickte einen Sondereinsatztrupp. Aber: “Es gab keinen Sprengstoff. Nur ein Sexspielzuge, ein Dildo.” Der Besitzer sollte sich das Päckchen besser nicht zurückholen.