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Christiane Völling: Ich war Mann und Frau

Als Thomas Völling sich mit Mitte 40 auf die Suche nach seiner Krankenhausakte macht, hat er keine Ahnung, was der Grund seiner inneren Zerissenheit ist. Schon immer war er irgendwie anders – von seinem künstlichen Glied über anormale Entwicklungssprünge bis hin zu andauernden Hormonbehandlungen und Harnwegsinfekten.
Bei der Teilnahme an einer Studie zur Intersexualität fällt es ihm wie Schuppen von den Augen – so bin ich auch! Völling findet heraus: Er ist in Wirklichkeit eine Frau, nur waren bei seiner Geburt die Schamlippen verwachsen. Die Ärzte formten aber aus seiner vergrößerten Klitoris ein männliches Genital. Gebärmutter und Eierstöcke entfernte man noch mit 18 bei einer Operation, zu der es keine Einwilligung gab. Damit war Völling ein normales Leben verbaut.
In ihrem fesselnden Bericht erzählt Völling schonungslos von der qualvollen Jugend bis hin zum langsamen Herantasten an das Leben einer Frau. Am Ende bringt sie den damals operierenden Arzt vor Gericht und gewinnt den Prozess – ein Meilenstein für viele andere Betroffene, auch wenn er das Leiden der Opfer nicht ungeschehen machen kann. Ein wichtiges Buch, das wütend macht.


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Andea Burri und Christa Hintermann: So zarte Lippen, so weiche Haut

Sexualität ist etwas dynamisches – ihre Akzeptanz dagegen oft nicht. Andrea Burri und Prisca Hintermann wollten verstehen, was weibliche Homosexualität ausmacht. Deshalb befragten sie zwölf Frauen aus verschiedenen Generationen im Alter zwischen 24 und 65 Jahren zu ihrer ersten Erfahrung mit dem eigenen Geschlecht – und diese sind so unterschiedlich wie sie selbst.
Es geht zum Beispiel um Ana, 24, die in einem religiösen Elternhaus »zur perfekten Hetera« erzogen wird und deren ganze Welt ins Wanken gerät, als Serania sie im Club anbaggert. Die 42-jährige Yolanda, deren Ehe nach dem ersten Kind eingeschlafen ist, verliebt sich auf einmal in ihre beste Freundin. Carla, 32, dagegen beschreibt sich selbst als »Volllesbe« mit maskuliner Kleidung und fällt mit 16 über ihre Basketballtrainerin her.
Das Buch handelt vom Mut, den ersten Schritt zu machen, vom Zweifel, aber auch vom Hochgefühl einer neuen Erfahrung, vom Prickeln erster Berührungen und immer wieder vom Gefühl, endlich »erkannt« zu werden: Als Frau, als Mensch, als sexuelles Wesen.


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Dr. Marie-Claude Benattar: Plaisir d’Amour

Warum fällt es vielen Frauen so schwer, sich der sexuellen Lust zu öffnen und zu genießen? Die französische Frauenärztin ist weiß Gott nicht die erste, die sich dieses Problems annimmt, aber wie sie das tut, ist äußerst lesenswert.
Anders als Männer haben Frauen ihr Geschlechtsteil nicht ständig im Blick und berühren es nur ausnahmsweise. Deshalb haben sie oft nicht gelernt, ein Gefühl für dieses Körperteil zu entwickeln. Der erste Schritt zu mehr Lust ist für die Autorin daher, sich als Frau eingehend selbst zu betrachten und zu erkunden.
Anders als der Titel suggeriert (der im französischen Original auch präziser »Plaisir feminin« lautet), geht es also hier nicht in erster Linie um gemeinsame Lust, sondern um die weibliche – und dies bleibt keineswegs beschränkt auf den zu erweckenden G-Punkt und vielleicht noch nicht einmal auf die Sexualität. Mit Fallbeispielen aus ihrer Praxis stützt Benattar ihre Thesen.
Was das Buch gegenüber der zahllosen Konkurrenz auszeichnet, ist der natürliche, sympathische Ton, den die Autorin anschlägt. Ihre Ratschläge trägt sie weder trocken technisch noch esoterisch vor.


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Nicole Bailey: Sexspiele – sinnlich & erotisch

Mehr Sinnlichkeit in der Partnerschaft – wer wünscht sich das nicht? Dazu beitragen möchte Bailey mit ihrem mittlerweile 13. Ratgeber zu Sexualität und Erotik. Die erfahrene Autorin wendet sich mit ihrem Buch an Paare, die sich für die indische Liebeskunst interessieren.
Das erste (»Sinnliche Hingabe«) von vier Kapiteln eignet sich vor allem für Anfänger, die den tantrischen Weg mit einfachen Übungen wie der »Fingerspitzenmassage« begehen wollen. Vertiefen können Paare im darauf folgenden ihre »Liebevolle Verbindung«. Für Fortgeschrittene dürfte das dritte Kapitel (»Tür zur Ekstase«) spannend sein, bevor im letzten (»Höchste Einheit«) tantrische Techniken wie die »Schere« vorgestellt werden.
Im Zentrum der 52 Stellungen steht das genussvolle Empfinden sowie die Konzentration der sexuellen Energie, die es gezielt einzusetzen, zu steigern und nicht zuletzt zu genießen gilt. Die modernen Tipps (Musik, Duft und Essen) rund um das sinnliche Liebesspiel und die zahlreichen Bilder lockern den Ratgeber auf, der ohnehin mit wenigen, aber klaren Anweisungen an Mann und Frau auskommt.


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Dennis DiClaudio: Der kleine Erotiker

Schuhe, Käfer, Autos, Clowns, Statuen – all diese harmlosen Gegenstände sind für manche Menschen das Ziel ihrer erotischen Sehnsüchte. Das jedenfalls behauptet Dennis DiClaudio, der 42 sexuelle Vorlieben mehr oder weniger abseits des Gewöhnlichen zusammengetragen hat. Szenische Einstiege bringen dem Leser diese bizarren Formen von Lust nahe, was allerdings bei Neigungen wie Emeto- oder Eproktophilie (Sie wollen gar nicht wissen, was das ist) kaum zu gelingen vermag.
DiClaudio, der seinen Stil bereits an ähnlichen Sammlungen sonderbarer körperlicher und seelischer Gebrechen geschärft hat, imitiert mit souveräner Ironie pseudowissenschaftlichen Ratgeber-Stil. Grafiken im Stil des 19. Jahrhunderts verstärken diesen Effekt. Natürlich macht sich das Buch über Formen von sexueller Devianz lustig, aber eher mit mildem Spott.
Das lexikonartige Büchlein ist unterhaltsam, eignet sich allerdings eher als Lesehäppchen für Zwischendurch. Auch wenn es nicht aufklärerisch gemeint war, zeigt »Der kleine Erotiker« die Vielfalt der Sexualität auf und belegt: Man gar nicht so verdreht sein, dass nicht noch andere Menschen mit der gleichen Neigung zu finden wären.


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Elfried Vavrik: Nacktbadestrand

Sex im Alter ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Thema, über das man nicht gerne spricht. Deswegen ist es umso beeindruckender, wenn eine Frau im späten Alter ihre Sexualität neu entdeckt und mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit geht.
Elfriede Vavrik hatte nach ihrer Scheidung mit 40 mit den Männern abgeschlossen. Doch nachdem sie 79-jährig ihr Buchgeschäft geschlossen hat, ist ihr langweilig und sie hat Schlafprobleme. Sie geht zu einem Arzt und der rät ihr, sich lieber einen Mann zu suchen, als Pillen zu nehmen. Wie die Wienerin das angeht und welchen Männern sie begegnet, hat sie in klaren Worten in ihrem Buch beschrieben. Zwischen den Kapiteln hat sie erfundene erotische Geschichten eingestreut, aber auch Alltagsfotos von sich.
Vavrik macht nicht nur angenehme Erfahrungen, doch gerade durch die eine oder andere »Panne« wirkt das Buch ehrlich. Es macht Mut, zu lesen, dass ein sexueller Neuanfang immer möglich ist, unabhängig davon, wie prüde man erzogen wurde oder wie alt man ist. Nur die »Feuchtgebiete«-Anspielung auf dem Cover hätte sich der Verlag sparen können.


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Doris Christinger & Peter A. Schröter: Vom Nehmen und Genommen werden

Auch wenn manche Sexratgeber gern Wunder versprechen durch akrobatische Stellungstechniken, sexuelle Experimente und Verführungstricks: Die wahre erotische Anziehungskraft liegt im Zusammenspiel des Maskulinen und Femininen. Am Anfang einer leidenschaftlichen Liebe, so die Autoren, ist das auch kein Problem: Die Frau findet zu ihrer hingebungsvollen, strahlenden, vulvisch wilden Seite, der Mann hingegen zeigt Selbstsicherheit und phallischen Tatendrang. Doch mit der Abkühlung der Beziehung verschwimmt auch die Polarität, der Gegensatz der Urkräfte macht einem Wunsch nach Nähe Platz – und dabei geht meist das Begehren verloren.
Den Schlüssel dazu, leidenschaftlichen Sex auch in einer langjährigen, innigen Beziehung aufrecht zu erhalten, sehen Christinger und Schröter in einer Kultivierung der männlichen und weiblichen Urkräfte. Das Lieben manifestiert sich in den Phasen der Beziehung auf unterschiedliche Weise; für jede Phase liefern die Paar-Therapeuten praktische Übungen für Körper und Seele. Die beiden wissen jedenfalls, wovon sie schreiben: Sie sind selbst ein Paar.


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Alexandra Haas: Speisekarte der Lustspiele

Das Buch der Züricher Erotikshop-Inhaberin Alexandra Haas ist mehr als nur ein Ratgeber, wie Paare mehr Spaß beim Sex haben können. Wie bei einem mehrgängigen Menü führt die Autorin vom Apero, der Einstimmung, über die Vorspeise und den Hauptgang hin zum Dessert und verführt dadurch die Leser zu kleinen erotischen Abenteuern. Nebenbei werden Vorurteile aufgelöst, wie etwa über Pornografie oder Spielereien aus dem SM-Bereich: die Leser erfahren, was sich hinter den meist negativ besetzten Begriffen versteckt und wie viel Spaß es beispielsweise machen kann, den Partner einmal sanft zu fesseln und einfach nur zu verwöhnen.
Die mitunter in den Text eingestreuten Schweizer Dialekthäppchen – da wird vom „Röhrli“ gesprochen oder von der „Milchbueblirechnung“ – verleihen dem Ratgeber eine ganz persönliche Note.
Fazit: Eine appetitmachende Mischung aus Hintergrundwissen zu den unterschiedlichsten Lustspielen und anregenden Sextipps, gewürzt mit Geschichten des fiktiven Pärchens Luna und Jan und ihren Ausflügen in die Welt der Sinnlichkeiten.


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Leila Bust und Bjørn Leimbach: Tantra

Ist Tantra etwas für mich? Dieses praxisorientierte Buch macht es dem Leser leicht, diese Frage zu beantworten. Ohne viel esoterisches Geschwafel und mit freundlicher „Du“-Ansprache nehmen einen die Autoren an die Hand und erklären, warum man von Tantratraining profitieren kann. Doch mit dem Lesen alleine ist es nicht getan: Erst durch die Übungen findet man einen besseren Zugang zum eigenen Körper und seiner Sexualität – und darin liegt das Potenzial für eine größere Liebesfähigkeit, die letztendlich eine erfüllende Partnerschaft ermöglicht.
Aus der jahrelangen Erfahrung mit Paar und Beziehungstrainings wissen die beiden Therapeuten, welche inneren Blockaden, Vorbehalte und Probleme mit den verschiedenen Übungen auftauchen können. So raten sie denn auch, eine Übung lieber auszulassen oder zu einer früheren zurückzukehren, statt alles lehrplanmäßig durchzuziehen. Denn um sich selbst besser kennenzulernen und die eigenen Grenzen zu erfahren, sollte der innere Bereitschafts-Schalter auf „Ja“ stehen.
Begleitend zum Buch sind drei CDs erschienen, die einige der Übungen aus dem Buch enthalten.


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Ruth Smythers: Sextipps für Eheleute

Pastor L.D. Smythers muss furchtbar gelitten haben, wenn seine Frau auch nur die Hälfte von ihren eigenen Ratschlägen befolgt hat. In ihrem kleinen Ratgeber von 1894, der im Original natürlich nicht das böse S-Wort im Titel trägt (er heißt eigentlich „Instruction and Advice for the Young Bride“), versammelt Ruth Smythers ein komplettes Programm, um dem potenziell lüsternen Ehegatten den Beischlaf zur Hölle zu machen und ihm diesen möglichst abzugewöhnen. Migräne vortäuschen, vor dem Schlafengehen nörgeln, mit banalen Fragen von leidenschaftlichen Avancen ablenken – hier findet die trostsuchende Frau Rat, wie sie den Gräueln des ehelichen Verkehrs entgeht.
Sein Haupteinsatzgebiet wird das Buch dank seines sarkastischen Titels als Geschenk haben. Es eignet sich aber eher für Lesefaule, denn mit dem mühsam und dank zahlreicher zeitgenössischer Illustrationen auf 70 Seiten ausgewalzten Text ist man kaum länger beschäftigt als der verzweifelte Gatte, der sich im Ehebett an seiner leidenden Frau abarbeitet. Als Beleg für die Prüderie seiner Ära ist dieser kleine Text jedenfalls eine exzellente Quelle.