Das aktuelle Feigenblatt

Unsere Haut vermittelt den Reiz der Berührung, trägt die Schönheit nach außen. Seidenweiches Kopfhaar gilt als Kennzeichen hinreißender Weiblichkeit – doch muss der Körper wirklich haarlos sein? Das neue Feigenblatt mit hautnahen, haarigen und leidenschaftlichen Geschichten und Bildern.
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Über Feigenblatt

Die schönste Zeitschrift für die schönste Sache der Welt - mit Kurz­ge­schichten, Essays, Aktfotografien und aktuellen Rezensionen. Das erotische Kultur­magazin für sie und ihn – alle drei Monate zu einem neuen Thema.

Archiv: Buchtipps

Theresa

Björn T. Leimbach: Männlichkeit leben

Wenn ein Mann eine Frau schlägt, ist das ein Skandal – wenn eine Frau einen Mann schlägt, werden viele das Selbstbewusstsein und die Stärke der Frau bewundern Männer werden öfter Opfer von Gewalt, sterben früher und verlieren nach Scheidungen regelmäßig den Kontakt zu ihren Kindern. Die Kernthese ist provozierend: Während Frauen in einer zunehmend vaterlosen Gesellschaft in eine dominante Rolle hineinwachsen und nicht zögern, bei Auseinandersetzungen aufs Ganze zu gehen, sind Männer verunsichert; Medien und Politik verstärken das, überzeugende männliche Rollenmodelle fehlen. Leimbach setzt auf den „Herzenskrieger“, der Verantwortung übernimmt, mit dem Vater Kontakt hält und sich mit anderen Männern in freundschaftlicher Konkurrenz misst. Natürlich ist das einseitig, natürlich gibt es Bereiche, in denen Frauen noch immer ganz real benachteiligt werden. Aber die Stärke dieses Buchs besteht darin, dem Leser (oder der Leserin) eine neue Perspektive auf die Welt zu eröffnen, die in Teilen durchaus stimmig ist. Ein wichtiger Beitrag zur männlichen Selbstfindung.

Björn T. Leimbach:
Männlichkeit leben
Ratgeber, 320 Seiten
16,95 Euro, Ellert & Richter

Theresa

Cornelia Jönssom: 111 Gründe, SM zu lieben

Lackstiefel, Peitsche, Handschellen, herrische Dominas – die Bilder, die zu SM gehören, hat jeder im Kopf, dem Privatfernsehen sei Dank. Aber was jemanden wirklich umtreibt, der seine sexuelle Lust aus Dominanz oder Unterwerfung bezieht,bleibt der großen Mehrheit der „Vanillas“ meist verborgen. Cornelia Jönssons Buch zeigt die Perspektive einer Frau, die sich von ihrem Freund und einer zwanzig Jahre älteren Frau, mit denen sie zusammenwohnt, erniedrigen lässt und die damit höchst zufrieden ist. Mit klug erzählten Alltagsgeschichten erläutert sie, warum für SMler manches einfacher ist: Nach jahrelanger Auseinandersetzung mit seiner abweichenden Sexualität kann er, so Jönsson, mit dieser umgehen und seine Wünsche äußern. Eine lebhafte Gemeinde sorgt für sozialen Anschluss und Sex ist spielerisch und voller Abenteuer Auch wenn vor übertriebener subkulturelle Abgrenzung gelegentlich der Blick auf die Normalsterblichen elitär und fast mitleidig wird: insgesamt ein gelungenes Buch für alle, die an sich selbst ungewöhnliche Neigungen beobachten oder solche Menschen verstehen wollen.

Cornelia Jönsson:
111 Gründe, SM zu lieben
Sachbuch, 233 Seiten
9,90 Euro, Schwarzkopf & Schwarzkopf

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Theresa

Sawa Al Neimi: Honigkuss

Als „Loblied auf die Lust“ charakterisierte eine libanesische Zeitung den Debütroman der in Paris lebenden Syrerin, andere sprachen von einer „sexuellen Intifada“. Bei so viel Lob neigt der ein oder andere dazu, skeptisch die Augenbraue hochzuziehen. Doch der Roman hält, was er verspricht. Bereits nach den ersten Sätzen zieht er den Leser in seinen Bann, hüllt ihn in eine Aura, die nur so vor sexueller Energie strotzt. Übertrieben? Keinesfalls! Angeregt durch die heimliche Lektüre der arabischen Erotikklassiker beginnt Salwa Al Neimis Erzählerin, ihre Sexualität frei auszuleben. Sie ist eine kluge Frau, die die wollüstigen Darstellungen der Meisterwerke mit ihren Liebhabern nachahmt. Sie ist eine verheiratete Frau, die nicht nach Liebe sucht, sondern nach wildem, ungestümem, leidenschaftlichem Sex. Und sie ist eine arabische Frau, die offen von ihrer unstillbaren Lust und der Verführung durch Bücher erzählt. Freizügig, detailreich und mit einer lebhaften Sinnlichkeit schildert Salwa Al Neimi das Liebes- und Sexleben dieser Frau, ohne dabei eine Provokation auszulassen.

Salwa Al Neimi:
Honigkuss
Erotischer Roman, 128 Seiten
14,95 Euro, Hoffmann und Campe

Theresa

Rebecca Martin: Frühling und so

Lustvolle Literatur von Frauen gibt der Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf in seiner neuen Buchreihe „Anais“ heraus. Gleich der erste Band, das Debüt einer 18-jährigen Berlinerin, wurde zum Überraschungserfolg. Ein so echtes und unverblümtes Buch, so nah an den Gefühlen dieser Generation von Frauen, war lange nicht zu lesen. Der Roman basiert auf Tagebucheinträgen, in denen die Autorin ihre Eroberungen und Enttäuschungen auf der Suche nach Liebe und sexueller Selbstbestimmung rekapituliert. Dass sich Mädchen heute sexuell offensiver und ungehemmter ausleben als frühere Generationen, ändert nichts am Gefühlschaos beim ersten Verliebtsein. „Frühling und so“ ist nicht wirklich ein erotischer Roman, sondern er erinnert an die bittersüße Zeit des sexuellen Erwachens. Insofern erregt die Lektüre weniger, als dass sie wunderbar die Stimmungen und Sehnsüchte dieser Zeit zurückholt. Dabei wechseln sich Passagen, die überraschend reif und in bildhaftfeinsinniger Sprache Stimmungen einfangen, mit schnodderigen Beschreibungen ausgedehnter Partytouren und Männergeschichten ab.

Rebecca Martin:
Frühling und so
Roman, 256 Seiten
9,90 Euro, Anais

Theresa

Esther Vilar: Reden und Schweigen in Palermo

Eine wohlsituierte Frau wartet in einem Hotelzimmer auf ihren Mann. Alljährlich fährt das Paar in den Ferien nach Palermo. Für den Abend ist ein gemeinsamer Opernbesuch geplant. Aber der Mann kommt nicht – stattdessen dringt ein Fremder in ihr Zimmer ein, beraubt sie ihrer Kreditkarten und ihrer sexuelle Selbstbestimmung und tötet schließlich den herbeigerufenen Portier. Die Beschreibung dieses Missbrauchs hinterlässt beim Lesen widersprüchlich Gefühle: Was will dieser Fremde? Versuch er nur, die leidenschaftliche Frau hinter ihrer müden, merkwürdig unbeteiligten Fassade hervorzulocken? Darf frau Lust empfinden, wenn ihr Wille gebrochen wird? Es ist ein Spiel mit den Grenzen, zu dem diese Novelle den Leser verführt. Vilar wird einmal mehr ihrem Ruf als politisch unkorrekte Provokateurin gerecht. Das überraschende Ende dieses Tabubruchs wirkt zuerst erleichternd, führt aber weiter zu grundlegenden, beunruhigenden Fragen über das Verhältnis der Geschlechter – Fragen, die die Autorin in einem sehr lesenswerten Nachwort diskutiert. Ein erotisches und sehr kluges Buch.

Esther Vilar:
Reden und Schweigen in Palermo
Erotik-Thriller, 143 Seiten
12,90 Euro, Konkursbuch Verlag

Theresa

Hansjürgen Blinn (Hrsg.): Nimm mich! Erotische Erzählungen

Liebhaber einer literarisch-erotischen Liaison kommen an der Reihe „Bibliotheca erotica“ nicht vorbei. Im ersten Band  der Reihe entführen „Die schönsten erotischen Erzählungen“ (so der Untertitel) den Leser in alle Facetten der Leidenschaft: mal sinnlich schmachtend, mal rasend vor Wollust, mal mit einem Spritzer Humor versehen. So schildert etwa ein anonymer Autor in „Der Rosenbusch“ das seltsame Abkommen einer Jungfrau mit ihrer Scham: Beide trennen sich im Streit, weil das aufmüpfige Körperteil behauptet, dass die Männer die Frau nur ihretwegen verehren. Oskar Panizza beschreibt in „Ein skandalöser Fall“ vom sehnsüchtigen Begehren zwischen zwei jungen Mädchen. Was dagegen Charles Bukowski in „Fünfzehn Zentimeter“ mit (und vor allem: in) seiner Ehefrau erlebt, ist die Vollendung aller Männerfantasien – und ein echter Alptraum. Das bibliophile Bändchen versammelt noch andere Meisterwerke von Lukian, Boccaccio, Balzac, Musset und Nin, die die Vielschichtigkeit des Erotischen in der Literatur aufzeigen, sowie einige Zeichnungen von Gustav Klimt

Nimm mich!
Erotische Erzählungen
Herausgegeben von Hansjürgen Blinn
315 Seiten
18,95 Euro, Aufbau Verlag 2008

Theresa

Michaela Riedl, Klaus Jürgen Becker: Lingam Massage

Sex muss für den Mann nicht zwangsläufig bedeuten, dass er durch ungeduldige Stimulation schnell dem Höhepunkt entgegenhetzt. Die Offenheit gegenüber einer weniger zielgerichteten Sexualität ist aber auch die einzige Voraussetzung für eine Massage von Lingam (Penis) und Prostata, so die Autoren; Alter, Erfahrenheit und Potenz spielen keine Rolle. Das Buch ist das Gegenstück zu dem zwei Jahre vorher erschienenen „Yoni- Massage“, das die Tantra-Lehrerin und Masseuse Michaela Riedl mit einer Coautorin schrieb. Der Ratgeber beschäftigt sich mit den medizinischen Grundlagen und beschreibt Atem- und Entspannungsübungen, bevor es an die eigentliche Anleitung zur Penis- und Prostatamassage geht; Erfahrungsberichte schließen das Buch. Das aufgeräumte Layout und schöne Fotos machen die Lektüre angenehm. Für diejenigen, die mit der Tantra-Szene noch nie zu tun hatten, klingen Worte wie „Lingam“ und „Yoni“ gewöhnungsbedürftig. Die Autoren verwenden sie, weil sie respektvolle Lust ausdrücken. Und vielleicht
ist es ja wirklich nötig, für die sexuellen Belange eine neue Sprache zu finden.

Michaela Riedl, Klaus Jürgen Becker:
Lingam Massage
Ratgeber, 219 Seiten
19,90 Euro, Nietsch

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Theresa

Dr. Ruth Westheimer: Silver Sex

Schneller als gedacht kommt der Tag, an dem die Kinder aus dem Haus sind und das Nest leer. Jetzt wäre endlich Zeit, Sexualität unbeschwert zu leben … und doch findet man tausend Gründe, es immer seltener zu tun. Er sucht Ersatz im Internet. Sie entschuldigt sich mit Menopause und trockener Scheide. Die 80-jährige Therapeutin schildert unverkrampft und leicht verständlich, wie man Ausreden kippt und Routinen aushebelt, richtig masturbiert, Sexspielzeug benutzt und sich mit den Handicaps des Alters arrangiert. Ein Film, der zwei Menschen beim Sexualakt zeigt, ist für sie keine Pornografie, sondern Erotik. Sie sieht aber die Gefahr, dass der Mann Pornos zur schnelle Befriedigung ohne Anstrengung benutzt. Überhaupt rät sie zum Reden. Damit es nicht zu der peinlichen Situation kommt, dass er eine Viagra nimmt, sie aber mit dem Laptop im Bett dringende Schreibarbeiten zu erledigen hat.  Sie ahnen es schon: Dieses Sachbuch kann sehr hilfreich sein, verlangt aber auch nach Veränderung. Meine Frau zerrte mich übrigens nach dem Lesen ganz unsachlich ins Bett.

Dr. Ruth Westheimer:
Silver Sex
Ratgeber, 256 Seiten
19,90 Euro, Campus Verlag