Das aktuelle Feigenblatt

Leidenschaft, Verzückung und Seligkeit: Sex und Religion haben manches gemeinsam, sind sich aber oft spinnefeind. Das Feigenblatt geht dem Verhältnis zwischen Glaube und Lust auf den Grund und wirft einen Blick auf andere religiöse Traditionen.
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Über Feigenblatt

Die schönste Zeitschrift für die schönste Sache der Welt - mit Kurz­ge­schichten, Essays, Aktfotografien und aktuellen Rezensionen. Das erotische Kultur­magazin für sie und ihn – alle drei Monate zu einem neuen Thema.

Archiv: Buchtipps

Theresa

Erika Lust: X-Porno für Frauen

Die in Barcelona ansässige Regisseurin Erika Lust mischt erfolgreich in der immer noch von Männern dominierten Pornoindustrie mit. Wie Pornos für Frauen aussehen sollten, davon hat sie klare Vorstellungen: Ein stylishes Setting gehört dazu, schöne Männer, selbstbewusste Frauen, die Erfüllung weiblicher Lust steht im Vordergrund, Sex findet nur im gegenseitigen Einverständnis statt. Zuweilen schafft sie damit schon wieder ein neues Klischee, in dem nur schöne, erfolgreiche Frauen Sex genießen dürfen. Dass weibliche Lust sich nicht so einfach klassifizieren lässt, sieht sie aber selber im Lauf des Buches ein – denn nicht alle Phantasien sind politisch korrekt und lassen sich mit einem feministischen Selbstverständnis vereinbaren. Und wenn weibliche Lust wirklich so anders ist als männliche – wie kann es sein, dass die beiden immer noch miteinander Spaß haben? Interessanter ist der kenntnisreiche Rückblick auf die Geschichte des Pornofilms, der die Vielfalt des Genres zeigt. Ein vergnügliches Porno-FAQ, ein Glossar und
ihre Auswahl für Einsteiger komplettieren die teilweise etwas lieblos geschriebene Porno-Fibel.

Erika Lust:
X – Porno für Frauen
Sachbuch, 224 Seiten
15 Euro, Heyne Hardcore

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Theresa

Alina Reyes: Verlangen und Vergeltung

Das schmale Hardcover-Bändchen versammelt
zwei Erzählungen der derzeit vielleicht wichtigsten Autorin erotischer Literatur – falls man ihren Texten dieses Etikett aufkleben möchte. Denn Ausschweifungen, Romanzen, sexuelle Abenteuer spielen bei Alina Reyes keine Rolle: Ihr geht es um die Erkundung der eigenen Sexualität, den Weg nach innen. Besonders radikal verfolgt diesen Ansatz die erste, ältere Erzählung, bei der eine Frau alle Brücken hinter sich abbricht, um in ihrer eigenen Lust, in ihrer eigenen Vulva zu verschwinden. Ganz zwanglos driftet Reyes dabei zusammen mit ihrer Hauptfigur ins Phantastische. Die zweite Geschichte, bei der sich eine junge Frau für ihre Vergewaltigung rächt, bleibt gerade noch auf dem Boden der Realität. Doch auch hier dringt die Außenwelt nur wie durch einen allegorischen Filter in das Seelen- und Sinnenleben der Erzählerin ein, während im Hintergrund der Mythos von der Frau und ihrer Sexualität als personifizierte Natur anklingt. Die bildliche und klare Sprache schafft es dabei, intimste Dinge ohne Scham und ohne Voyeurismus zu beschreiben. Ein außergewöhnliches Buch!

Alina Reyes:
Verlangen und Vergeltung
Erzählungen, 90 Seiten
12 Euro, Bloomsbury

Theresa

Anna Bunt: Subjektiv

Als Anna ihre ersten sexuellen Erfahrungen
macht, hat sie noch keine Ahnung von ihrer devoten Neigung. Dennoch landet sie in all ihren Beziehungen in einer stark unterwürfigen Rolle. Zum Beispiel mit Andi, ihrer ersten großen Liebe, der sie „seine persönliche Schlampe“ nennt und sie „an den Haaren aus dem Bett zieht“ und „in die Zimmerecke schleudert“. Anna findet es toll, „wie er sich durchsetzt, mir den Mund verbietet und mich einfach nur benutzen will“. Die Beziehung zerbricht letztlich an Eifersucht und Andis Drogenproblemen. Anna lernt, dass sie nicht die einzige ist, die Lust an der Unterwerfung findet. In dem autobiografischen Roman schildert die Autorin den Weg zu einer selbstbestimmten Lebensweise als devote Frau, die ihren „Dom“ fürs Leben findet. Dennoch wirft der Roman Fragen auf: Wie bewältigt man den Spagat zwischen teilweise brutalen Praktiken und dem Leben einer emanzipierten Frau? Kann es einem Menschen gut tun, sich im Alltag so behandeln zu lassen – oder sollten Spiele von Macht und Demütigung nicht besser auf den sexuellen Bereich beschränkt bleiben?

Anna Bunt:
Subjektiv
Roman, 256 Seiten
9,90 Euro, anais

Theresa

Kira Maeda: Seidenfessel

Die rothaarige Schönheit Isabelle reist nach Tokio, um dort ihren Halbbruder Shin zu suchen, der seit drei Monaten verschwunden ist. Über eine Freundin kommt sie bei der Suche auf die Spur der japanischen Mafia, der Yakuza. Durch ihre Nachforschungen gerät sie allerdings selbst in deren Fänge. Ihr Entführer Toshika verspricht ihr, bei der Suche nach ihrem Bruder zu helfen – wenn sie zuvor 31 Tage lang seine erotischen Aufgaben erfüllt. Berauscht von der asiatischen Erotik- Kultur mit ihren ausgeklügelten Fesselspielen und ihren männlichen Prostituierten verliert Isabelle sich mehr und mehr in den erotischen Abgründen der mächtigen Yakuza – und entwickelt leidenschaftliche Gefühle für ihren Peiniger. Lässt man sich nicht von dem zuweilen etwas nachlässigen Schreibstil ablenken, vermag die Autorin die Leser(in) mit in diesen erregenden Rausch zu entführen – und obwohl das Ende sicher keine große Überraschung ist, fiebert man zusammen mit der selbstbewussten Protagonistin mit. Ein sanfter BDSM-Unterhaltungsroman, in dem Machtspiele, Zärtlichkeit und leidenschaftliche Liebe kein Widerspruch sind.

Kira Maeda:
Seidenfessel
Roman, 168 Seiten
12,90 Euro, Plaisir D‘amour Verlag

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Iris Bücker: Trau dich in den Swingerclub

Viele Frauen und Männer sind neugierig auf die Swingerwelt, trauen sich aber meistens nicht in solch einen Club hinein – sie wissen weder, wie man sich dort verhält, noch wen sie danach fragen könnten. Mit dem Swingerclub-Knigge gibt es jetzt endlich ein Buch, das solche Unsicherheiten beseitigen kann. Di Autorin, die seit über zehn Jahren selbstin der Szene unterwegs ist, plaudert unterhaltsam und informativ im „Swinger- Slang“, wie sie es selbst nennt. Sie beantwortet damit viele Fragen, die die Neulinge des Partnertausches haben, zum Beispiel: Was passiert da? Muss ich mit allen Sex haben? Worauf sollte ich beim ersten Mal achten? Das Buch hält, was es verspricht: Es bietet Benimmregeln für die Swingerwelt und außerdem Informationen darüber, was in den Clubs eigentlich passiert. Eine Linksammlung der wichtigsten Swingerforen und –verzeichnisse wendet sich an alle, die mehr möchten, als nur darüber zu lesen. Das Buch ist im Selbstverlag erschienen; ein professionelles Lektorat hätte diese gute zu einer sehr guten Einführung gemacht.

Iris Bücker:
Trau dich in den Swingerclub
Ratgeber, 80 Seiten
12,90 Euro, Books on Demand

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Sigrid Neudecker: Wie war ich?

Vielleicht sind wir auch nicht ganz unschuldig daran: Zahllose Zeitschriften,
Ratgeber und TV-Magazine versuchen uns zu erklären, wie Sex noch besser
wird. Pseudowissenschaftliche Studien zu Sexhäufigkeit, Schwanz- und Schamhaarlänge oder optimalem Brustumfang dringen ins Unterbewusstsein und säen dort Selbstzweifel. Wären wir ohne diese
fragwürdigen Ideale vielleicht einfach glücklich mit unserer Hausmannskost? Sigrid Neudecker, die sich für ihr Sexblog auf Zeit.de durch die absurdesten Erotikmeldungen wühlt, plädiert für eine Rückbesinnung. Schließlich verhinderten solche Vorstellungen nur ein entspanntes Ausleben der ganz persönlichen Wohlfühl- Sexualität. Auch die allgegenwärtigen, nur mit Photoshop erreichbaren Schönheitsideale stehen einem freundschaftlichen Körperbewusstsein im Wege Wenn man diesem Buch etwas vorwerfen kann, dann ist es, dass sein Unterhaltungswert genau von den Skandalgeschichten zehrt, die Neudecker anprangert. Ansonsten können wir den Aufruf zu weniger Leistungsdruck im heimischen Schlafzimmer nur aus tiefstem Herzen begrüßen.

Sigrid Neudecker:
Wie war ich?
Sachbuch, 247 Seiten
8,95 Euro, Fischer Taschenbuch

Theresa

Nude Visions: 150 Jahre Körperbilder in der Fotografie

Gerade erst ist die Ausstellung „Nude Visions“ im Münchner Stadtmuseum, die wir im letzten Feigenblatt vorgestellt haben, zu Ende gegangen. Wer sie verpasst hat, kann sich mit dem preiswerten Ausstellungskatalog trösten, der den Rückblick auf 150 Jahre Aktfotografie ausführlich dokumentiert. Die einleitenden Essays fassen die Spielarten der Aktfotografie des 19. Jahrhunderts zusammen und richten den Fokus auf einzelne Künstler. Auch Themen wie Nudismus, das Spannungsfeld zwischen Kunst und Pornografie oder der Männerakt kommen zur Sprache. Der 250 Seiten starke Bildteil ist in sieben Abschnitte gegliedert, teilweise nach Themen (FKK, Glamour), teilweise nach Epochen. Während sich die Anfänge fast
unbeholfen an klassischen Schönheitsidealen abarbeiteten, bringen die 20er- Jahre Frische und Experimentierlust in die Aktfotografie. Je näher die Bilder der Gegenwart kommen, desto weiter öffnet sich die Kluft zwischen Ästhetisierung und der scheinbar spontanen, bewusst lieblosen Inszenierung. Werklisten und Kurzbiografien komplettieren diesen vielseitigen Überblick.

Nude Visions: 150 Jahre
Körperbilder in der Fotografie
Bildband, 415 Seiten
19,95 Euro, Kehrer-Verlag

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Theresa

Lope Navo: Stark

Sonne, Strand, Schweiß auf gemeißelter Männerhaut, perfekte Körper in engen amerikanischen Markenunterhosen: Auf den ersten Blick scheinen Lope Navos Aktfotografien aus einem Standardwerk über die Erregungskurve weiblicher Sexualität zu stammen. Der gebürtige Philippine
hat sich als Werbefotograf einen Namen gemacht und vermarktet in seinem ersten Bildband gekonnt das Objekt Mann: Tätowiert, rasiert und ungenügend bekleidet räkeln sich seine Adonisse vor hollywoodtauglicher Ferienkulisse. Nach kurzem Blättern drängt sich aber eine Art Big-Mac-Gefühl auf: Ist der Heißhunger gestillt, überwiegt das Bedürfnis nach „etwas Richtigem“, einer Scheibe Vollkornbrot, einem echten Kerl. Navos Adonisse entsprechen dem klassischen Schönheitsideal, wirken durch ihre
Gelangweiltheit aber vollkommen leidenschaftslos. Manchmal springt aber doch ein Funke Sex-Appeal über oder gewährt ein Bild Einblick in Navos ironische Seite: „Stark“ lässt sich als Parodie auf die übersexualisierte Darstellung des männlichen Körpers in der Werbung betrachten – ode eben als Bildband mit schönen Männer in schöner Umgebung.

Lope Navo:
Stark
Bildband, 120 Seiten
39,95 Euro, Gmünder-Verlag