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Ausschreibung zum Thema „Kennenlernen“

Auf die Suche nach einem Partner zu gehen ist das letzte große Abenteuer des Alltags. Nichts fühlt sich so aufregend an wie fremde Haut, die man zum ersten Mal erkundet. Jeder hofft auf den magischen Moment, der das ganze Leben verändert – oder wenigstens die nächsten Stunden versüßt. Aber wie stellt man es eigentlich an, jemanden kennen zu lernen? Wie überlebt man das erste Date? Helfen Flirttipps im Ernstfall? Wie gut funktioniert es mit Partnerbörsen, Speed-Dating und Seitensprungagenturen – und bleibt da noch Raum für Romantik?
Das Feigenblatt sucht Aufreißer-Maschen und dramatische Reinfälle, verklärte Erinnerungen und vielversprechende Anfänge. Einsendeschluss ist der 15. Februar, bitte schicken Sie Ihre Texte an texte@feigenblatt-magazin.de.

2 Kommentare

  1. Pingback: Ham se nich nen Mann für mich? | Feigenblatt Magazin

  2. Sex, schon allein das Wort … Sex gibt es, seit es Fernsehen gibt, vorher gab es keinen „Sex“. Und schon gar nicht wurde darüber geredet. Aus ebenso gutem wie simplem Grund: weil es nichts zum Reden gab und gibt. Im wirklichen Leben, das weiss jeder für sich, kommt „Sex“ so gut wie nie vor. Ja, es ist fast zum Lachen: Keiner würde von sich aus annehmen, dass George Clooney und Lady Gaga exakt gleich viel (nämlich null) Erotik in ihrem Alltagsleben akkumulieren wie unsereins – aber genau so und nicht anders verhält es sich: Asexualität ist die Regel, sexuelle Realität die Ausnahme. Niemand würde für möglich halten, wie wenig „Sex“ tatsächlich weltweit stattfindet. Tatsächlich zutreffende Zahlen wären durch die Bank ein astreiner Schock. Brüskierend für alle Seiten. Nullen gäbe es wie Sand am Meer, Einsen ein paar, Zweien und Dreien wären bereits weit seltener anzutreffen – und zweistellige Zahlen könnte man sich glatt abschminken. Hinter den hippen Prahlereien und dem hochversierten Fachwissen selbsternannter Sexperten gähnt ein monströses Vakuum realer Entbehrung, indiskutabler Verdrängung und stupiden Nachgeplappers. Mit nichts dahinter als der eigenen Sprachlosigkeit, Resignation und Scham. Heute wie vor zehntausend Jahren. Daran ändern Facebook, Dating-Gurus und Seitensprung-dot-com kein Jota. Dass Zehnjährige dieser Tage besagte (und noch weit härtere) Vokabeln in den Mund nehmen als wären es Karamelbonbons, hat weit weniger mit einer „sexuellen Befreiung“ – welch himmelschreiende Illusion – oder der chronisch monierten „Verrohung der Gesellschaft“ zu tun, als vielmehr schlicht und ergreifend mit der verbal wie visuell lawinenhaften Mediengleichschaltung. Gegen uniforme Bilderflut und dummdreiste Sprachverflachung ist kein Kraut gewachsen. Wer eine Million Mal blablabla hört, macht früher oder später wohl oder übel selber blablabla. Was sich hinter den vielzitierten Hohlformen („Sex“ ist lediglich ein besonders prominentes Beispiel) tatsächlich an persönlicher und gesellschaftlicher Realität verbergen könnte – diese Frage stellt sich nicht einmal, geschweige denn, dass sie durch das hirnlos nivellierte Allerweltsgequassel durch irgendwen auch nur spürchenweise beantwortet würde. Dabei hält „Sex“ in einer Welt ohne existenzielle Bedrohung, abseits aller politischen Drangsal und leiblicher wie seelischer Härten, also mit anderen Worten exakt in unserer wohlgenährten, um nicht zu sagen fettgefressenen Ersten Welt tatsächlich das letzte mystische Geheimnis, wenn nicht gar die äusserste realexistierende Transzendenz bereit: Gerade eben weil es so absurd schwer zu fassen, so unendlich scheu aufzufinden und kurzum durch und durch das plakative Lehrbeispiel einer Terra Incognita vorstellt, an welcher hirnlose Journaillenphrasen und strunzdumme Massenmedienschablonen berührungslos agleiten. Unterm Strich aber, stellt man wahrscheinlich ebenso belämmert wie vielleicht auch letzten Endes amüsiert fest, hilft alles Zerreden und Monieren und Verfluchen keinen Zentimeter weiter: Sprachlosigkeit, Resignation und Scham bleiben uns erhalten. Heute wie vor zehntausend Jahren. Der Traumpartner tritt nicht per Mausklick auf den Plan, allen Online-Weisheiten zum Trotz, die schöne Nachbarin bleibt unnahbar, einerlei was der neuste Flirtratgeber verheisst, die meisten Menschen waren und sind dermassen unansehnlich, zum guten Glück, dass man gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt, und der viele „Sex“, wem soll man es auch klagen und vorhalten, wird wie bislang auch weiterhin eine Ausgeburt zweitklassiger Memoirenschreiber und senil wichsender Drehbuchautoren bleiben. Der Kreis schliesst sich: Wir sind so schlau als wie zuvor. Werbeeinblendung: Jovan »Haut«. »Haut« Jovan. Nicht lesen, kaufen. Unter den Bettdecken ist der Teufel los – wenn niemand hinsieht. Es lässt sich schon das Eine oder Andere sagen; auf hundert Seiten oder auch tausend … Aber besser, man lässt es. Und nun weiter mit Gottschalks Samstagabend-Mittelmass bis zur Ekstase.