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50 Jahre Bravo

Von wem wurden Ihre ersten Fragen beantwortet? Bei manchen mögen es wohl die liberalen Eltern gewesen sein. Bei anderen vielleicht die älteren Geschwister oder Freunde. Meine Eltern haben mir, ich glaube da war ich 15, ein Aufklärungsbuch geschenkt – mit Zeichnungen, ohne Fotos und sonst auch recht prüde. Es blieben Fragen. Da waren keine älteren Geschwister. Auch in der Schule gab es Unterricht, aber da war man dann so damit beschäftigt, nicht zu erröten, das nicht allzu viel davon hängen blieb… Ich habe immer meine beste Freundin gefragt, denn die hatte nämlich Ahnung: Sie las die Bravo (und andere ähnliche Zeitschriften, wie die Girl oder so). Ich durfte das nicht, meine Eltern meinten, den Jugendlichen würde dort vermittelt, es wäre wichtig, schon sehr früh seine ersten sexuellen Erfahrungen zu machen – da waren nämlich häufig Mädchen, 13 oder 14 Jahre alt, die von ihrem ersten Mal berichteten … außerdem waren da diese zwei Seiten mit dem einen nackten Mädchen und dem Jungen…Skandal… Mit 13 ging ich regelmäßig zu meiner Freundin um dort die Bravo zu lesen. Ich glaube ich tat das hauptsächlich, weil es verboten war(der stärkste Antrieb aller Teenager).

Ich war komischerweise nicht die einzige, der so etwas verboten wurde. Ich habe mich vor kurzem auf einer Party mit ein paar Leuten darüber unterhalten: da waren einige zugegen, denen das gleiche Schicksal einer konservativen Erziehung anhaftete, aber auch welche, denen die Eltern schon mit 11 oder so die Bravo abonnierten. Was davon der bessere Weg sei, darauf konnten wir uns nicht einigen. Manche haben sie regelmäßig gelesen, andere nicht, aber jeder kannte sie und hatte mindestens ein paar mal reingeguckt. Ob es uns irgendwie geschädigt hat, konnte keiner bestätigen… außer ein paar unangenehmer Backstreet Boys/ Britney/ Kelly Family Erfahrungen, die später dann mit Nirvana aus dem Bewusstsein verdrängt wurden.
Was für einen unglaublichen Einfluss dieses Magazin auf einige von uns gehabt hat!
Es wurde übrigens von Peter Boenisch, dem späteren Chefredakteur der Bild gegründet: Er hatte rechtzeitig erkannt, dass die Teenies von heute die Konsumenten von morgen sind …

Mit der Bravo geht es jetzt bergab: Sie haben nur noch halb so viele Leser, wie in ihrer Hoch-Zeit. Vor kurzem habe ich noch einmal einen Blick hineingeworfen: Wie doof Teenager sind! Und auch noch Tokiohotel auf der Titelseite… Aber trotzdem: Auch wenn sich die Bravo zum größten Teil aus irgendwelchen wichtigen Themen raushält und versucht, den Musikgeschmack der Jugendlichen zu verderben …das mit Dr. Sommer war schon eine gute Idee.

Ich hab letztens ein Interview mit ihm gelesen, er ist jetzt in Rente, er hat gesagt, sie hätten nie Briefe gefälscht….

Und wie waren ihre Erfahrungen mit Bravo? Würden Sie ihren Kindern die Bravo abonnieren?

Ich freu mich über Kommentare, liebe Grüße

Ihr Praktikant

1 Kommentar

  1. Bravo fand ich immer langweilig, nur lustige Leserbriefe (nach Papa ein Bad genommen, bin ich jetzt schanger? Mit männlichem Cousin geschlafen – bin ich jetzt schwul? Mit einem Russen geschlafen – muss ich jetzt auf der Straße arbeiten) waren gut.
    Meine Eltern haben mich aufgeklärt, hatte ältere Brüder und immer schon ne schmutzige Phantasie.
    Bravo regelmäßig gelesen hab ich erst später, um mich über Jugend und die Gesellschaft allgemein aufzuregen.
    Klappt gut.